Schulfunk Bayern2Radio, 15./17 2000 Manuskript Aus der Geschichte der Mafia



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Schulfunk Bayern2Radio, 15./17.5.2000

Manuskript

Aus der Geschichte der Mafia

2. Schnapsbrenner, Drogenhändler und andere Ganoven – Die Mafia in den Vereinigten Staaten

Autor: Matthias Fink

Redaktion: Renate v. Walter

Erzählerin: Appalachin, New York, 14. November 1957. Vormittags. Sergeant Edgar Crosswell von der New Yorker Staatspolizei und seine Beamten beginnen, die Kennzeichen der Autos vor dem Anwesen von Joseph Barbara zu notieren. Es war purer Zufall, dass Sergeant Crosswell von dem Treffen bei dem Limodefabrikanten erfahren hatte. Und weil er schon lange den Verdacht hegte, Barbara sei an gewissen undurchsichtigen Geschäften beteiligt, war er mit ein paar Männern rausgefahren, um die Kennzeichen zu überprüfen.

Plötzlich drängen aus der Villa Männer heraus, eilen zu ihren Autos oder verdrücken sich in den umliegenden Wald. Die Polizisten errichten Straßensperren und alle, die vorbei wollen, müssen zur Überprüfung mit aufs Revier. Sergeant Crosswell weiß noch gar nicht, welche Entdeckung ihm da geglückt ist, wer die Herren in den feinen Maßanzügen und den auffallend verzierten Schuhen sind. Doch die Rückmeldungen aus der Zentrale machen klar: In Joseph Barbaras Haus hatte sich an diesem Vormittag die Spitze der amerikanischen Unterwelt getroffen – die Bosse der amerikanischen Mafia samt ihren Beratern, Stellvertretern und Helfershelfern.




Erzähler: Sechzig Jahre war in den USA darüber gestritten worden, ob es im Lande ein Verbrechersyndikat nach Art der sizilianischen Mafia gäbe oder nicht.

1. Zitator: In den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es keine Mafia. Und wenn es eine gäbe, hätten wir sie schon längst zerschlagen.

Erzähler: … so J. Edgar Hoover, der ebenso zwielichtige wie legendäre Chef der Bundespolizei FBI, jahrzehnte­lang. Nun hatten die Bosse mit ihrem Treffen in Appalachin selbst den Beweis geliefert. Gerichtliche Folgen hat das Treffen nicht. Es lässt sich keine Verabredung zu einer Straftat beweisen.


Erzählerin: Sechs Jahre später, Washington D.C. Im Senat beginnt eine Anhörung zum Thema “Organisiertes Verbrechen”. Es erscheint ein kleiner, älterer Herr: Joseph Valachi aus New York. Er wird den Senatoren und einer staunenden Öffentlichkeit von der tatsächlichen Existenz der Mafia, ihrer Geschichte, ihren Strukturen berichten. Joe Valachi ist wegen Rauschgifthandels zu zwanzig Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Er hat Angst vor dem Knast, denn er ist überzeugt, dass der ebenfalls einsitzende Mafiaboss Vito Genovese ihn beseitigen will, weil er ihn für einen Spitzel der Polizei hält. Joe Valachi hat deshalb kurzerhand einen Mitgefangenen erschlagen, den er für den Killer hielt – fälschlicherweise, wie sich heraus­stellen sollte. Nun hatte er nicht nur Vito Genovese am Hals, sondern auch noch eine Anklage wegen Mordes. Deshalb bietet er sich als Kronzeuge gegen die Mafia an, in die er 33 Jahre zuvor aufgenommen worden war. Mit dem Auftritt vor den Senatoren verstößt er gegen das oberste Gebot der Mafia: die omertà, das Gesetz des Schweigens.

2. Zitator: Was ich Ihnen erzähle, was ich vor Ihnen und der Presse und der ganzen Öffentlichkeit ausbreite … das ist mein Schicksal. Ich breche damit ein Versprechen. Selbst wenn ich sonst alles sagen würde, davon hätte ich nie erzählen dürfen.

Erzählerin: Ausführlich berichtet Joe Valachi aus dem Innen­leben der Mafia, die sich selbst Cosa Nostra nennt. In zehn Städten habe sie sich festgesetzt, von New York und Philadelphia an der Ostküste über Chicago und Kansas City im Mittleren Westen bis nach San Francisco und Los Angeles im Westen. Er selbst gehörte zu einer Mafia-Familie in New York, wo es insgesamt fünf Familien gibt mit etwa 2.000 offiziellen Mitgliedern – die Hauptstadt des organisierten Verbrechens in den Vereinigten Staaten.

1. Zitator: Mr. Valachi, gibt es in der Cosa Nostra irgendeine Struktur, die über den Familien steht?

2. Zitator: Ja, Sir.

1. Zitator: Wie heißt diese Struktur?

2. Zitator: Nun, sie haben eine Kommission, Sir.

1. Zitator: Und wer ist in dieser Kommission?

2. Zitator: Die fünf Bosse der New Yorker Familien plus der Boss der Chicago-Familie.

1. Zitator: Und was ist die Aufgabe dieser Kommission?

2. Zitator: Na ja, sie regelt mehr oder weniger Streit zwischen den Familien. Wenn man ein Problem mit einer anderen Familie hat, dann schlichten die, Sir.

1. Zitator: Können Sie beschreiben, wie eine Familie der Cosa Nostra tatsächlich geleitet wird?

2. Zitator: Nun, der Boss leitet. Er ist der Wichtigste. Und dann gibt es den Unterboss. Dann gibt es den consigliere, und dann gibt es den capo.

1. Zitator: Welche Aufgabe hat der consigliere in der Familie?

2. Zitator: Na ja, er ist mehr oder weniger der Berater der Familie.

1. Zitator: Sie haben den capo erwähnt. Was macht der?

2. Zitator: Der ist quasi ein Hauptmann. Die Soldaten werden in Einheiten aufgeteilt und diese unterstehen den capos.

1. Zitator: Sie sagten Soldaten. Wenn einer in der Cosa Nostra nicht Boss, Unterboss, consigliere oder capo ist, ist er dann ein Soldat?

2. Zitator: So ist es.

Erzähler: Joe Valachis Aussage klärte zweierlei auf. Erstens: In den Vereinigten Staaten existiert eine kriminelle Organisation, die nicht nur denselben Namen trägt wie die vergleichbare sizilianische Ausgabe, La Cosa Nostra, sondern auch exakt wie diese strukturiert ist, nämlich wie eine Armee mit Generalstab, Generälen, Hauptleuten und einfachen Fußsoldaten, die das schmutzige Geschäft erledigen.

Zweitens: Sie verdient ihr Geld vor allem mit Erpressung und Mord und legt die Gewinne in legalen Geschäften wieder an. Und, drittens: Über allem steht das oberste Gesetz, die omertà, das Gesetz des Schweigens. Die Geschichte dieser berüchtigten Organisation in den USA beginnt aber schon viel, viel früher.



Erzählerin: Die ersten Einwanderer aus Sizilien kommen um 1840 in die Vereinigten Staaten, es sind nur wenige. Erst in den neunziger Jahren schwillt ihre Zahl an auf etwa 10.000 pro Jahr, später auf über 100.000. Und mit den Einwanderern schleicht sich eine bestimmte Form des organisierten Verbrechens ein, das sich auch in der alten Heimat mehr und mehr breit macht: die Schutzgelderpressung.

Erzähler: In den schnell wachsenden Großstädten entstehen um die Jahrhundertwende italienische Stadtviertel, die Little Italy’s. Hier verbreitet eine kriminelle Vereinigung Angst und Schrecken: La Mano Nera, The Black Hand, Die Schwarze Hand. Ihr Geschäft: Erpressung.

2. Zitator: Sehr geehrter Mr. Silvani,
in der Hoffnung, dass Sie dieses Schreiben nicht allzu sehr erschreckt, würden Sie bitte so gut sein, mir 2.000 Dollar zukommen zu lassen, wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist. Ich bitte Sie also wärmstens, innerhalb von vier Tagen die Summe an Ihrer Tür bereitzulegen. Falls nicht, so schwöre ich, dass von Ihnen und Ihrer Familie in einer Woche nicht viel mehr übrig sein wird als ein Häuflein Asche.
Mit freundlichen Grüßen von einem, der es gut mit Ihnen meint.

Erzähler: Erpresserbriefe dieser Art, verziert mit blut­triefenden Illustrationen, unterzeichnet mit einer schwarzen Hand, erhalten vor allem reiche Geschäftsleute und Neu-Ankömmlinge, die Angst haben, sich der Polizei anzuvertrauen. Allein in Chicago werden der Schwarzen Hand in den Jahren 1910 bis 1912 mindestens hundert Morde zur Last gelegt. In den ersten drei Monaten des Jahres 1913 gehen in der Stadt 55 Bomben hoch, gerichtet gegen Menschen, die nicht zahlen wollen.

Ein Polizeibeamter aus New York, der sich dort beim Kampf gegen die Schwarze Hand einen Namen gemacht hat, verfolgt die Spur der Täter bis nach Sizilien. Er reist per Schiff nach Palermo und wird nach wenigen Tagen von drei Männern erschossen. Die Schwarze Hand also ein Ableger der Mafia? Belegen lässt es sich bis heute nicht. Das Gesetz des Schweigens hat immer gut funktioniert.





Erzählerin: Chicago ist zu Anfang der zwanziger Jahre eine verrufene Stadt, Spielhöllen, Bordelle und eine unglaublich korrupte Polizei und Stadtverwaltung. Seit 1920 gilt im ganzen Land die Prohibition, das heißt: Produktion und Ausschank von alkoholischen Getränken jeglicher Art sind verboten – ein Gesetz mit gut gemeinten Absichten, aber verheerenden Folgen. Weil es nicht ausdrücklich verboten ist, Alkohol zu kaufen oder zu konsumieren, lädt das Gesetz geradezu dazu ein, gebrochen zu werden. Und genau das geschieht, überall in den USA, vor allem aber im Raum Chicago, wo ein Mann das Sagen hat: Al Capone.


2. Zitator: Ich mache mein Geld, indem ich eine öffentliche Nachfrage befriedige. Wenn ich das Gesetz breche, dann sind meine Kunden, zu denen Hunderte aus den besten Familien Chicagos gehören, genauso schuldig wie ich. Der einzige Unterschied dabei ist: Ich verkaufe und sie kaufen. Alle nennen mich einen Gangster. Ich nenne mich Geschäftsmann. Wenn ich Alkohol verkaufe, dann ist das Schmuggel. Wenn meine Kunden ihn auf einem Silbertablett anbieten, dann ist das Gastlichkeit.

Erzähler: Die Lebensphilosophie Al Capones – eigentlich Alphonse Caponi, alias Al Brown, genannt Scarface – Narbengesicht. Sohn napolitanischer Einwanderer. Sollte es damals die Mafia tatsächlich schon gegeben haben, wäre er aus diesem Grund nicht aufgenommen worden. Denn Mafia ist Sizilien. Neapel ist Camorra. Tatsächlich gehörte Al Capone nie der Mafia an.

Erzählerin: Schritt für Schritt baut Al Capone in Chicago sein Imperium auf, beseitigt dabei einen Rivalen nach dem anderen oder lässt sie ausschalten – zunächst in der eigenen Familie, dann die Sizilianer an der Westside, schließlich die Iren der Northside, bis nur noch sein eigenes Reich übrig bleibt.

Erzähler: Al Capone ist die klassische Verkörperung des Mafioso, obwohl er als Napolitaner nie der Mafia angehören konnte. Er ist gewalttätig, erpresst, mordet. Zeugen schweigen, und wenn nicht, liegen sie tot auf der Straße oder verschwinden sonst wie. Er schafft ein kriminelles Netzwerk um sich, schmiert Polizisten, Richter, Politiker. Unter den Papieren des erschossenen Zuhälters Jack Zuta, einem Mann aus Capones Organisation, finden Polizisten den Brief eines gewissen William Freeman, Polizeichef des Vororts Evanston.

1. Zitator: Lieber Jack,
ich brauche im Moment dringend vier Scheine.

Erzähler: Vier Scheine entsprechen 400 Dollar.

1. Zitator: Kannst du sie mir geben? Der Überbringer weiß nicht, worum es geht. Also steck sie in den Umschlag, kleb ihn zu und adressiere ihn an mich.

Erzähler: Al Capone kauft sich 1927 mit einer Wahlspende von 260.000 Dollar auch den Bürgermeister Big Bill Thompson. Capone und seine Leute sind die unumschränkten Herrscher über die Stadt.

Es sind die Bundesbehörden, die Al Capone schließlich zu Fall bringen – wegen Steuer­hinterziehung. Die Beweise reichen für elf Jahre Gefängnis. Nach fünf Jahren kommt er frei, ein geistig verwirrter Mensch, Opfer der Syphilis. Er stirbt 1947. Sein zweiter Mann und Nachfolger Frank Nitti, sizilianischer Herkunft, übernimmt ein intaktes, bestens funktionierendes Verbrecher­syndikat namens The Outfit und macht daraus den Chicago-Ableger der Mafia.


Chicago ist nur ein Beispiel für viele. Anfang der dreißiger Jahre ist die Unterwelt in den großen Metropolen fest in den Händen der Mafia, von den Insidern La Cosa Nostra genannt, in der Amts­sprache “Das Syndikat”, im Volksmund schlicht “Der Mob”. Wie auf Sizilien sind Schmuggel, Schutzgeld­erpressung und Glücksspiel ihr Geschäft. Aber es gibt auch Unterschiede zur Mafia in der alten Heimat. Die Bosse in den USA lassen in ihrem innersten Kreis auch Nicht-Sizilianer zu – zum Beispiel das Finanzgenie Meyer Lansky oder Bugsy Siegel, den Chef der “Mörder GmbH”, einer Killer­truppe aus New York. In den USA kontrolliert der Mob auch die Prostitution, worauf sich die Mafia Siziliens nie eingelassen hat. Man betrachtete es wohl als unvereinbar mit dem Ansehen der Ehrenwerten Gesellschaft.



Erzählerin: Eine amerikanische Variante ist auch das Einsteigen in die Gewerkschaften, was teilweise in das Kapitel Schutzgeld gehört, Erpressung der betroffenen Industrie. Aber da sind dann natürlich auch die Gesundheits- und Pensionskassen der Gewerkschaftsmitglieder. In den USA gibt es kein staatliches Gesundheits- und Rentensystem wie in Deutschland. Jeder muss sich selbst um seine Altersvorsorge kümmern, zum Beispiel mit Hilfe der Pensionskasse der Gewerkschaft. Und deren Kassen lassen sich etwa durch erhöhte Verwaltungsabrechnungen plündern, was Jahr für Jahr Millionengewinne für die Mafia abwirft.

Erzähler: Hinzu kommt: Mit Hilfe der Gewerkschaften lässt sich Politik machen.


Erzählerin: 1960 – Wahljahr. In der Demokratischen Partei ringen die Senatoren Kennedy und Humphrey um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem Staat West Virginia zu. John F. Kennedy muss den Ruf loswerden, er als Katholik könne bei den Protestanten einfach nicht gewinnen. West Virginia ist zu über neunzig Prozent protestantisch. Kennedy gewinnt die Vorwahl, dank Sam Giancana, dem Mafia-Boss von Chicago, der die Gewerkschaften dazu bringt, Kennedy zu unterstützen.

Das Spiel wiederholt sich im November bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl, dieses Mal in Illinois im Mittelwesten, wo es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Kennedy und seinem Rivalen Richard Nixon gibt. Am Ende entscheiden 9 000 Stimmen für Kennedy. Sam Giancana und die Mafia von Chicago erwarten nun, dass Kennedy etwas gegen Fidel Castro unternehmen wird, der sich auf Cuba daranmacht, die Spielcasinos und Bordelle zu schließen, die selbstverständlich alle von der amerikanischen Mafia betrieben werden. Aber der Präsident und vor allem sein Bruder Robert, der Justizminister, danken der Mafia ihren Einsatz nicht. Robert Kennedy beginnt im Gegenteil, sich unnachsichtig die Mafia-Verbindungen der Gewerkschaften vorzuknöpfen. Deshalb ist bis heute ein zentraler Punkt in allen Verschwörungstheorien um die Ermordung John F. Kennedys die Vermutung, dass die Mafia ihre Finger im Spiel hatte.




Erzähler: Immer neue Geschäftszweige erobert sich “der Mob” – die privatisierte Müllbeseitigung, Teile der Bauindustrie, des Transportgewerbes, der Unterhaltungsindustrie und und und ... Nur den Handel mit Rauschgift überlässt sie anderen, das heißt, sie lässt den Handel zu und wird dafür am Gewinn beteiligt, aber beim direkten Handel mit Heroin und Kokain ist sie nicht im Spiel. Es ist den amerikanischen Mafia-Bossen einfach zu gefährlich. Als 1984 die so genannte Pizza Connection auffliegt und die Beschuldigten in New York vor Gericht gebracht werden, sitzen auf der Anklagebank nur Italiener, aber kein einziger US-Amerikaner. In Rom erklärt der Mafia-Aussteiger Tommaso Buscetta den Ermittlern:

2. Zitator: Es ist absolut undenkbar, dass ein sizilianischer Ehrenmann Mitglied der amerikanischen Cosa Nostra werden kann. Die kulturellen Unterschiede sind inzwischen zu groß, als dass zwischen ihnen irgendwelche organischen Beziehungen bestehen könnten.


Erzählerin: New York City, 16. Dezember 1985, später Nachmittag.

Rushhour in Manhattan. Trotzdem stoppt im absoluten Halteverbot der 46. Straße eine lang gestreckte Limousine vor Spark’s Steak House. Auf dem Beifahrersitz: Paul Castellano, Boss der Bosse, Chef der mächtigsten der fünf großen Mafia-Familien New Yorks. Am Steuer: Sein engster Vertrauter, Thomas Bilotti. Als sie ihre Türen öffnen, treten drei Männer an sie heran und beginnen sofort zu schießen. Dann rennen sie in verschiedene Richtungen davon. Am Boden liegen zwei blutüberströmte Leichen: der Mafiaboss und sein Vertrauter, den er zu seinem Nachfolger bestimmt hatte.





Sechseinhalb Jahre später sitzt im Bundesgericht von Brooklyn ein elegant gekleideter Mann auf der Anklagebank: John Gotti, Nachfolger des ermordeten Mafiabosses. Er hatte den Mordauftrag erteilt, um sich den Weg an die Spitze frei zu machen. Das behauptet jedenfalls sein consigliere, also sein Berater Salvatore Gravano, genannt Sammy the bull, der als Kronzeuge der Anklage auftritt. Seine Aussage bringt John Gotti zu Fall. Bislang war er immer mit Freisprüchen davongekommen, was ihm den Spitznamen “Don Teflon” eingebracht hatte, einer, an dem nichts kleben bleibt. Doch dieses Mal versagt das System, einzelne Geschworene unter Druck zu setzen. John Gotti wird zu Lebenslänglich verurteilt, ohne Bewährung.


Erzähler: Zusammen mit John Gotti sitzen Anfang der neunziger Jahre alle Bosse der großen New Yorker Mafia-Familien im Gefängnis. Doch bei Polizei und Justiz sind sich alle einig: Besiegt ist die Mafia damit noch lange nicht, weil sie längst zu einem mächtigen und einflussreichen Faktor in der ganz legalen Wirtschaft geworden ist. Richard Stavin, der gegen die Mafia in der Unterhaltungsindustrie ermittelt hatte und seinen Job beim FBI kündigte, weil ihm so viele Steine in den Weg gelegt wurden, sagt:

1. Zitator: Weil es so schwierig ist, den Schleier der amerikanischen Wirtschaft zu lüften und das organisierte Verbrechen dahinter aufzuspüren, konnten wir bisher nichts unternehmen. Aber die Mafia ist da. Wer also behauptet, die Mafia sei besiegt, kann sich nur auf ihre sichtbare Präsenz auf der Straße beziehen. Hinter geschlossenen Türen kann man sie nicht sehen – und dort sitzt sie.

© Bayerischer Rundfunk, 2000


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