Verena Ofner die historischen romane robert neumanns eine Analyse


Genrespezifische Betrachtungen: Die „Geschichtengeneratoren“444 in den historischen Romanen Robert Neumanns



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Genrespezifische Betrachtungen: Die „Geschichtengeneratoren“444 in den historischen Romanen Robert Neumanns

  • Literarische Fiktion und Einflechtung historischer Fakten

    Zwei unterschiedliche Episoden aus der europäischen Geschichte bilden den Hintergrund und das Gerüst der beiden historischen Romane Robert Neumanns. Die Handlung des einen Werkes kreist um einen Emporkömmling im dänischen Königshaus in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die des anderen um den ungarischen Freiheitskampf gegen die österreichische Hegemonie in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

    Die traditionelle Frage bei der Betrachtung eines historischen Romans richtet sich stets nach der Geschichtstreue des literarischen Werkes. Auch hier soll untersucht werden, in welcher Weise Neumann sich der historischen Fakten bedient: lässt er seine Imaginationskräfte frei am geschichtlichen Stoff spielen oder orientiert er sich in seiner Darstellung am historischen Material?

    Die Sekundärliteratur hat bei Neumanns erstem Geschichtsroman „Der Favorit der Königin“ immer wieder von „historisch getreuer Wiedergabe445 der Fakten gesprochen und die Quellennähe des Buches446 hervorgehoben. Tatsächlich scheint sich die Handlungsstruktur des Werkes sehr genau an den geschichtlichen Begebenheiten und an der Biographie Struensees zu orientieren.447 Die Daten stimmen jedenfalls überein: Der historische Christian übernahm nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1766 den dänischen Thron und heiratete im gleichen Jahr die englische Prinzessin Caroline Mathilde. 1768 wurde Struensee als Leibarzt Christians auf dessen Reise durch Europa mitgenommen und gelangte auf diese Weise zu Einfluss auf den König und zu Macht über Dänemark, die er durch seine Beziehung zu Caroline Mathilde noch weiter ausbauen konnte. Struensee erließ während seiner kurzen Herrschaft - sie dauerte rund sechzehn Monate - eine Vielzahl von Erlässen und gründete zur Finanzierung seiner Reformen die dänische Staatslotterie. Eine Verschwörung des Adels brachte ihn schließlich zu Fall. Struensee wurde am 28. April 1772 hingerichtet, Caroline Mathilde ging nach ihrer Scheidung von Christian nach England zurück. Wie an diesem kurzen Ausschnitt aus der Biographie des Johann Friedrich Struensee zu sehen ist, passte Neumann die grobe Handlungsstruktur des Textes völlig den historischen Fakten an. Sogar in verschiedenen inhaltlichen Details finden sich Übereinstimmungen mit der geschichtlichen Überlieferung: Beispielsweise veranstaltet Christian bei seinem Besuch in England einen Maskenball448, Struensee versucht bei seiner Verhaftung sich mit Giftpillen das Leben zu nehmen449, die Diener am Hof verkleben die Türen mit Wachs und streuen Puder auf den Gang, um die Beziehung zwischen Struensee und Mathilde zu beweisen450, der englische Gesandte Keith will Struensee für das Verlassen Dänemarks bezahlen451. Teilweise führt die detailgetreue Nacherzählung der historischen Fakten aber auch zu einiger Verwirrung beim Leser. So ist etwa nicht ganz nachzuvollziehen, warum Christian beim Besuch der Verschwörer sofort ein Glas Wasser verlangt. Der historische Christian hatte dies aber getan, in der literarischen Bearbeitung scheinen derartige Details manchmal nicht hinreichend motiviert zu sein.

    Manche Szenen hat Neumann bei der Übernahme in den Text aus dem historischen Kontext herausgelöst und in einen neuen eingefügt: So hatte der historische Christian seiner Großmutter Zucker über den Kopf gestreut, der literarische Christian tut dies hingegen bei seiner verhassten Stiefmutter Juliane.452 Ebenso hatte die wirkliche Mathilde Dänemark erst ein Monat nach der Hinrichtung Struensees das Land verlassen, im Roman fährt sie - aus dramatischen und spannungstechnischen Gründen – bereits während der Vollstreckung des Todesurteils mit dem Schiff ab.453

    Einige historische Tatsachen wurden von Neumann überhaupt weggelassen oder verfälscht. So war die Hochzeit von Christian und Mathilde in Wirklichkeit schon vor dem Tod Friedrichs beschlossen worden, im Roman beginnen erst bei der Thronbesteigung Christians die diplomatischen Verhandlungen.454 Der literarische Struensee wird vom König gleich nach der Reise als Leibarzt bestellt, in Wirklichkeit hatte Struensee einige Zeit wieder als Arzt in Altona arbeiten müssen, eher er nach Kopenhagen gerufen wurde.455

    Überhaupt finden sich auch einige Anachronismen in „Der Favorit der Königin“: Struensee diskutiert beispielsweise mit seinen Altonaer Freunden bereits um das Jahr 1766 über die von Immanuel Kant erst 1781 veröffentlichte „Kritik der reinen Vernunft“456 oder versorgt eine Wunde nicht mit einem Verband sondern einem Pflaster.457 Klaus Schröter spricht aus diesem Grund von Neumanns erstem historischen Roman als einem „dümmlich-fehlerhafte[n] Buch458.

    Neben der Behandlung der Biographie Struensees finden sich aber auch noch andere historische Bezugnahmen der Erzählung, die zur Generierung des geschichtlichen Charakters des Werkes beitragen. So werden im Text historische Personen (Martin Luther459, Pindar460, Shakespeare461) und Orte (Utrecht462, Frankfurt463, Amsterdam464) erwähnt. Auch historische Geschehnisse, die sich bereits vor der erzählten Zeit ereignet haben, sind in Neumanns Roman eingeflossen, beispielsweise wird die Ermordung Peters III. durch Katharina von Rußland im Jahr 1762465 oder der Westfälische Friede von 1648466 erwähnt.

    Insgesamt zeigt sich, dass Neumann seinen ersten historischen Roman sehr genau an den historischen Fakten, die ihm eine präzise Vorlage für die Handlung gegeben haben, ausgerichtet hat. Der kreative Spielraum wurde damit sicherlich eingeengt, Entfaltungsmöglichkeiten ergaben sich nur bei der Ausgestaltung des vorgegebenen Gerüstes, vor allem bei der Charakterisierung und Psychologisierung der Figuren und der Erklärung der Ursachen für die historischen Ereignisse. Neumann ist trotz des von ihm selbst auferlegten strengen Korsetts eine lebendige und glaubwürdige, wenn auch sehr in Richtung privatisierender und universeller Geschichte tendierende Gestaltung gelungen.
    Dieses Korsett der historischen Fakten scheint sich bei seinem zweiten historischen Roman, „Die Freiheit und der General“, ein wenig gelockert zu haben. Neumann verfügt in diesem Buch sehr viel freier über die geschichtlichen Vorgaben als in seinem historischen Erstlingswerk. Auch die Sekundärliteratur sieht eine „willkürliche Handhabung geschichtlicher Facta467 und führt dies auf die Dominanz der fiktiven Gestalt des Rosa Sandor über die historische Faktizität zurück.468 Zwar basiert auch die Figur des Rosa, wie zuvor gezeigt, auf einer historischen Person, allerdings gibt es über sie wenig glaubhaftes Datenmaterial, sodass Neumann seinen Räuberhauptmann frei nach seiner Vorstellungskraft gestalten konnte. Rosa kann aus diesem Grund trotz der Existenz eines historischen Vorbildes als fiktionale Figur gewertet werden.

    Mit Rosa als Hauptfigur überwiegt demnach in „Die Freiheit und der General“ die literarische Fiktion über die historischen Fakten, die nur als zeitliches Gerüst für die Erzählung dienen. Die meisten Übernahmen aus der Geschichte finden sich bei der Figur des Kossuth, dessen wichtigste biographische Daten von Neumann ausgestaltet wurden.469 Kossuth wird als Anführer des Freiheitskampfes, als populärer Volksvertreter und blendender Rhetoriker mit Hang zur Übertreibung dargestellt. Eine Beschreibung, die dem wirklichen Kossuth sehr nahegekommen sein dürfte.470 Erwähnt werden in Neumanns Roman etwa auch Kossuths literarische Versuche471, seine Rolle als Gesandter am Pressburger Landtag472 und seine Zeit im Gefängnis473.

    Übereinstimmungen zwischen historischen Fakten und literarischer Verarbeitung finden sich ebenso bei der Beschreibung des österreichischen Kaiserhofes: Kaiser Franz Joseph übernimmt im Jahr 1848 die Regierung von seinem Onkel Ferdinand, einem eher schwachen Regenten474. Als regierende Minister erscheinen Metternich, Schwarzenberg und Bach. Detailliertere Übernahmen aus der Geschichte finden sich im Gegensatz zu Neumanns erstem Roman allerdings kaum. Manche Szenen wurden von Neumann zwar verwendet, aber in anderer Form in den Text eingefügt. Ein Beispiel dafür ist Kossuths Amt als Gutsfiskal bei Ethelka Andrassy, das Neumann wahrscheinlich vom Posten seines Vaters herleitete, der als Rechtsberater für die Grafenfamilie gearbeitet hat.475 Das zeitgenössische Gerücht über eine Beziehung Kossuths zur Gräfin Andrassy wandelte Neumann in eine Seelenfreundschaft zwischen Ethelka und dem Revolutionsführer um.476

    Der Großteil der historischen Fakten wurde von Neumann unrichtig dargestellt, verkürzt oder überhaupt ausgelassen. Beispielsweise soll der eigentlich aus einer adeligen Familie stammende Kossuth im Roman aus einfachen Verhältnissen kommen.477 Der Ablauf der Revolution wurde von Neumann bloß grob umrissen und nur dort in den Text aufgenommen, wo er für die Handlung relevant war. Beispielsweise ist von der im März 1849 ohne Blutvergießen erzwungenen Souveränität Ungarns keine Rede, ebensowenig von den anderen Beteiligten wie Deák oder Batthyány und den von ihnen durchgesetzten Reformen. Die Handlung steigt hingegen direkt in die kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen Österreichern und Ungarn ein, der politische Rahmen wird nur sporadisch erwähnt. Weiters wird der Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn, der 1867 in Kraft trat, mit dem Jahr 1868 angesetzt.478

    Anhand dieser deutlichen Abweichungen zeigt sich, dass die historischen Fakten in „Die Freiheit und der General“ nur als zeitlicher Rahmen für die Beschreibung des Lebens von Rosa eingesetzt werden. Dementsprechend vage und ungenau ist der geschichtliche Zusammenhang der ungarischen Revolution ausgeführt. Bloß bei der Darstellung Kossuths und des österreichischen Kaiserhauses treten die Fakten manchmal in den Vordergrund.

    Weitere geschichtliche Bezugnahmen werden ebenfalls immer wieder in den Text eingestreut. Wie in „Der Favorit der Königin“ werden historische Personen (Goethe479, Voltaire480, Attila481), Gegenstände (Wiener Zeitung482, Leopoldstädter Theater483) und Orte (Karpaten484, Weinhügeln Tokajs485, Ballhausplatz486, Wien487) genannt. Allerdings dienen diese geographischen Beschreibung weniger der Bildung einer historischen als eher eine ungarischen beziehungsweise österreichischen Kulisse. Eingefügt werden immer wieder geschichtliche Ereignisse wie etwa die polnische Revolution gegen Rußland488 und die Napoleonischen Kriege489.

    Insgesamt zeigt sich also, dass Neumann sich in „Die Freiheit und der General“ im Gegensatz zu seinem ersten historischen Roman nicht so sehr an den geschichtlichen Fakten, die für ihn nur den zeitlichen Rahmen seiner Erzählung bildeten, orientiert hat. Im Vordergrund steht die fiktive Figur Rosa Sandor, deren Leben und Erlebnisse den Hauptteil des Romans einnehmen. Diese verschmilzt er mit einigen ausgewählten Ereignissen der ungarischen Revolution, deren Geschichte nur in der Person Kossuths und in der Schilderung des österreichischen Kaiserhofes hevortritt, jedoch nie ganz im Mittelpunkt steht.

    Vergleichend kann damit festgestellt werden, dass sich Neumann bei der Konzeption des Romans über Struensee viel stärker als bei seinem zweiten Geschichtswerk an den historischen Geschehnissen orientiert hat. Die Gründe dafür mögen im interessanten und wechselhaften Schicksal Struensees selbst liegen, das von sich aus Stoff für die Darstellung höfischer Intrigen, politischer Machtkämpfe und einer Liebestragödie bietet.490 Die Formel „historia magistra vitae“ scheint sich hier zu bewahrheiten. Im Sandor-Roman treten die geschichtlichen Ereignisse dagegen hinter die Figur des Rosa Sandor zurück und bilden zwar das zeitliche Gerüst für die Handlung, stellen aber nicht das Hauptinteresse des Autors dar.

    Damit zeigen die beiden historischen Romane einen sehr unterschiedlichen Zugang zur Geschichte: Während der Struensee-Roman aufgrund seiner weitgehenden Geschichtstreue eher dem von Georg Lukács präferierten traditionellen Romantypus nach Walter Scott entspricht, weist der Sandor-Roman aufgrund seiner Konzeption rund um einen fiktiven Helden und seinem freien Umgang mit den historischen Fakten auch moderne Züge auf.

    Historisches Personal, fiktive Figuren und das Problem des „mittleren“ Helden
    Bei der Untersuchung des Personals der beiden historischen Romane Robert Neumanns bestätigen sich die im vorhergehenden Kapitel aufgeworfenen Thesen über die Verwendung historischer Fakten. Im Struensee-Buch, das sich in der Schilderung eng an die geschichtlichen Begebenheiten anlehnt, agieren fast nur Figuren, die historischen Persönlichkeiten nachgezeichnet wurden. Der Sandor-Roman hingegen, der mit den geschichtlichen Fakten viel kulanter umgeht, weist auch ein großes Reservoir an fiktivem Personal auf.
    Die in „Der Favorit der Königin“ auftretenden Figuren scheinen zumeist sehr nahe an ihren historischen Vorbildern gestaltet worden zu sein. Dies gilt vor allem für jene Figuren, die in der literarischen Bearbeitung des Struensee-Stoffes eine wichtige Rolle einnehmen, wie Struensee, Mathilde oder Berndt. In der Figur des Christian zeigt sich die Orientierung an der realen Biographie sehr deutlich, da Neumann bei dessen Schilderung nicht nur den groben Lebensdaten gefolgt ist, sondern auch viele Details in die Beschreibung des jungen Königs aufgenommen hat. Beispiele dafür sind die Darstellung des geistigen Zusammenbruchs Christians in Versaille491 oder jenes Wutausbruches, bei dem er zahlreiche Gegenstände aus seinem Fenster in den Schlosshof geworfen hat492.

    Manche in der Handlung vorkommende Details sind jedoch nur frei erfunden und dienen der besseren Darstellung von Christians Charakterzügen und Taten, beispielsweise wird ein Hauptaugenmerk der Erzählung auf die zunehmende geistige Umnachtung des Königs gelegt. So bekommt Christian, der sich wie ein kleines Kind gebärdet, von Brandt eine Geschichte vorgelesen493, oder sieht im Schloss überall Ratten, weswegen er ein Dekret zur königlichen Rattenjagd verfassen will.494

    In der Regel werden jene Figuren, die eine für die Handlung wichtige Funktion innehaben, wahrheitsgetreuer dargestellt als jene, die zwar auch auf historischen Personen basieren, aber nur eine Nebenrolle spielen. Bei ihnen finden sich der Spannung und des Erzählflusses willen einige Änderungen. Ein Beispiel dafür ist die Stiefmutter des Königs, Juliane, die im Roman als Haupträdelsführerin bei der Verhaftung und Hinrichtung Struensees geschildert wird. Sie will nicht nur den bürgerlichen Arzt, sondern auch Mathilde auf dem Schafott sehen: „Die verwitwete Königin gab ihm einen starken und kalten Blick und schwieg, doch war ihr Schweigen beredter als jedes Wort, und Reventlow tat ein übriges, indem er junkerlich lachend mit dem Finger rund um den Hals fuhr. Ja, da war kein Zweifel – man wollte Mathildes Kopf.“495 In der Realität hatte sich bereits eine Verschwörergruppe gebildet, die nur noch eine Galionsfigur für ihr Vorhaben gesucht hat, und, nachdem sie zuvor bei Bernstorff und Moltke gescheitert sind, schließlich Juliane zum Mitmachen überreden konnte. Diese wollte aber, um den Thron nicht zu beschmutzen, Mathilde verschonen.496 Bei der Figur der Juliane zeigen sich also deutliche Unterschiede zwischen dem historischen Vorbild und der literarischen Verarbeitung. Ähnlich ist es auch beim Fräulein von Eyben, die in Wirklichkeit eine der Geliebten Struensees am Hof gewesen sein und nach dem Ende ihrer Beziehung einige heftige Eifersuchtsszenen inszeniert haben soll.497 Neumann gestaltete sie zu einer lüsternen Kammerzofe um, die am Hof einige Liebhaber hat und auch Struensee verführen will, indem sie ihn wegen eines Äderchens an ihrem Bein in dessen Praxis aufsucht.498 Zudem hilft sie bei der Verschwörung gegen Struensee mit und sagt bei seinem Prozess vor Gericht gegen ihn aus.499

    Wirklich fiktive Figuren treten am dänischen Hof nur in der Person von verschiedenen Kammerdienern, Lakaien, Kutschern und anderem Dienstpersonal auf, die für die Handlung allesamt nicht relevant sind und bloß zur Staffage der Szenen eingesetzt werden. Einzige fiktive Figur, der im Roman eine wichtige Rolle zukommt, ist der das Volk repräsentierende Bauer Niels Nielsen. Dieser wandelt sich im Laufe der Erzählung vom begeisterten Anhänger Struensees, dessen Reformen ihm eine entscheidende Besserstellung gebracht haben, zum erbitterten Gegner, als er aufgrund des Wertverlustes der Lotterieaktien finanzielle Einbußen hinnehmen muss.500 Am Ende fungiert Nielsen sogar als Struensees Henker. Neumann nutzte die fiktive Figur des Nielsen, um die Reaktionen und die Stimmungsschwankungen des dänischen Volkes für den Leser anschaulich zu machen und zu erklären.

    Bis auf diese Ausnahme sind alle relevanten Figuren in Neumanns erstem Geschichtsroman einer historischen Bezugsperson nachgebildet. Generell gilt dabei: Je wichtiger eine Figur für die Handlung ist, desto faktengetreuer wird sie gestaltet. Je unwichtiger eine Figur ist, desto mehr subjektive Elemente fließen in ihre Schilderung mit ein. Die faktuale Darstellung wird allerdings bei allen Figuren nicht gänzlich durchgehalten, da die subjektive Ausdeutung der geschilderten Personen für die innere Logik und Wahrheit des Romans entscheidend ist.
    In „Die Freiheit und der General“ ist das Verhältnis zwischen historischen und erfundenen Figuren ein anderes. Rund um Rosa sammelt sich eine Fülle von fiktiven Personen wie Katalin Bodo, Marika, Kiss Bacsi oder Katona. Auch die beiden ungarischen Gestalten Julia Sendrei und François Marie Lewy gehören zum erfundenen Personal des Romans. Sie alle sehen die geschichtlichen Ereignisse aus der Perspektive des Volkes und geben einen Eindruck vom Alltagsleben in Ungarn. Immer wieder kommen sie in Kontakt mit den verschiedenen historischen Persönlichkeiten des Buches. Ein gutes Beispiel dafür ist Julia Sendrei, die in die Handlung als jene junge „Künstlerin“ eingeführt wird, die vor dem Gelage der österreichischen und ungarischen Offiziere auftritt und nach der Beleidigung jenen erbosten Schrei ausstößt, der Rosas Unrechtsgefühl wachrüttelt.501 Zehn Jahre später hat sie sich als bekannte Schauspielerin etabliert und ist mit dem ungarischen Nationaldichter Petöfi liiert. Mit ihm gemeinsam hört sie eine der flammenden Reden Kossuths für die ungarische Revolution.502 Die frei erfundene Julia Sendrei begegnet also im Laufe der Erzählung verschiedenen historischen Figuren, sie singt vor Windischgrätz und Georg Andrassy, ist mit Petöfi verheiratet und sieht Kossuth bei seiner Rede. Ebenso verhandelt die fiktive Katalin Bodo mit Kossuth oder kämpft der erfundene Lewy mit General Bem, Körmendi und Petöfi für Kossuth. Aufgabe der fiktiven Figuren ist es, verschiedene Perspektiven in die Erzählung einzubringen und eine Bewertung der historischen Personen und eine Analyse der Ereignisse abzugeben. Sie sind für den Erzähler ein wichtiges Mittel, um die dargestellten Vorgänge in das richtige Licht zu rücken. So ist zum Beispiel Katalin sehr kritisch gegenüber dem nur auf seinen eigenen Vorteil bedachten Kossuth eingestellt, den sie als „Feind und Verführer verachtet.

    An historische Persönlichkeiten angelehnte Figuren finden sich sowohl bei den Ungarn als auch bei den Österreichern. Die auf der österreichischen Seite erwähnten kaiserlichen Gestalten wie Kaiser Ferdinand, Kaiser Franz Joseph oder Erzherzogin Sophie, wie auch die handelnden Minister Metternich, Schwarzenberg oder Bach, erscheinen allerdings im Roman als stark überzeichnet und tendieren eher in eine parodistische Richtung. So wird etwa der als schwacher Regent bekannte Kaiser Ferdinand als verantwortungsloser, schrulliger alter Mann dargestellt, der die Lösung des ungarischen Problems Schwarzenberg und Sophie überträgt und selbst lieber Tarock spielen geht.503 Auch Erzherzogin Sophie wird ihrem historischen Ruf gerecht und erscheint als gestrenge, herrische Frau, die am Kaiserhof die Hosen anhat: „>So, Schwarzenberg<, sagte drinnen in dem von der Majestät verlassenen Kabinett die Erzherzogin Sophie, genannt Kamarilla, >jetzt machen S‘ das Fenster auf, daß sich das Parfüm von der Majestät verzieht. Franz Joseph, du kannst nach Haus gehn, lern die Aufgab für morgen in Strategie. Oder holst dir den zweiten Koch herauf und übst Böhmisch. Und du, Franz Karl, gehst mit ihm. Und daß du nicht wieder redst über das, was du da gehört hast. Allweil muß er’s dem Kammerdiener erzählen. Und iß nicht zuviel auf die Nacht, sonst schlafst wieder schlecht und hast deine Zuständ wie kürzlich in Olmütz.“504 Kaiser Franz Joseph erscheint in seinen ersten Regierungsjahren als pflichtbewusster, wenn auch unerfahrener und leichtgläubiger Regent. Bei Rosas Entführungsversuch glaubt er etwa zunächst, einen begeisterten Einheimischen vor sich zu haben: „Dieser einzelne Repräsentant der Landbevölkerung in seinem malerischen Kostüm, der ihn auf die hier offenbar nun einmal übliche Art ein wenig plötzlich begrüßt hatte, mit Freudenschüssen in das festliche Himmelblau, versetzte ihn in eine kleine Verlegenheit. Was sollte das? Stand das so im Programm? Hatte er diesen Punkt übersehen? Das war doch nicht etwa schon der Herr Bürgermeister von Seged? >Ich danke Ihnen<, sagte seine Majestät auf ungarisch huldvoll und ein wenig hilflos – >es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut!<505 Bei der Schilderung der kaiserlichen Personen zeigen sich also starke parodistische und ironische Züge. Ihre Darstellung folgt allerdings eher den allgemein bekannten Gerüchten und Anekdoten als den historischen Fakten.

    Auch unter den ungarischen Figuren finden sich zahlreiche historische Personen, allen voran natürlich Ludwig Kossuth, dessen Leben, wie zuvor beschrieben, am genauesten nachgestaltet wurde. Vertreten sind ebenso die Generäle Görgey, Damjanich und Bem, der Nationaldichter Petöfi sowie fast die gesamte Familie Andrassy, die den ungarischen Adel mit seinen patriotischen Einstellungen und Plänen repräsentiert, aber auch den Zeitfluss der Geschichte dokumentieren soll. So ist etwa Julius Andrassy bei seinem ersten Auftritt im Roman noch ein Knabe506, bei seinem zweiten flieht er als junger Mann gemeinsam mit Kossuth über die türkische Grenze, wird aber dank seiner einflussreichen Verwandtschaft von den Österreichern amnestiert.507 Im letzten Kapitel des Werkes erscheint er schließlich als reifer Mann und Ministerpräsident Ungarns, der mit Kaiser Franz Joseph den Ausgleich aushandelt: „Da war dieses dumme Gerede über den in Kontumaz zum Tod verurteilten, aus der Verbannung zurückgeholten gegenwärtigen Herrn Ministerpräsidenten, genannt auch: Le beau pendu, und über die Art, wie die Kaiserin ihm bei der Ertrotzung dieser Wiederherstellung ungarischer Gleichberechtigung mit den österreichischen Ländern geholfen habe.“508

    Zwischen der österreichischen und ungarischen Seite steht Duschek, der dem Leser am Beginn des Romans als Kommerzienrat und als um die Gunst des Windischgrätz bemühter Österreichfreund entgegentritt. Später mischt er jedoch plötzlich bei der ungarischen Revolution unter Kossuth mit und wird unter ihm sogar zum ungarischen Regierungsrat in kommerziantischen Sachen ernannt. Als es jedoch für Ungarn brenzlig wird, wechselt er erneut die Seiten und will Rosa überreden, Kossuth an die Österreicher zu verkaufen. Nach Ende der Revolution beteiligt er sich an den österreichischen Strafaktionen an Ungarn.509 Der historische Duschek war ein Deutschböhme, der zwar als pflichbewusster und verständiger ungarischer Finanzminister galt, aber nicht mit vollem Herz die ungarischen Anliegen verfolgte. Nach der Niederschlagung der Revolution brüstete er sich sogar damit, heimlicher Agent der Österreicher gewesen zu sein.510 Neumann hat die Figur des Duschek zwar in den Roman übernommen, aber umgestaltet und mit fiktionalen Elementen angereichert. Wahrscheinlich wollte er mit ihm eine negative Gegenfigur zu Rosa, der Kossuth niemals verraten würde, schaffen.

    Zusammenfassend zeigt sich also auch beim Personal in „Die Freiheit und der General“ der lockere Umgang Neumanns mit dem historischen Stoff. Die aus der Geschichte entnommenen Figuren treten bis auf Kossuth, die Andrassys und Kaiser Franz Joseph hinter die fiktiven Figuren zurück, die angeführt von Rosa, den überwiegenden Teil der Handlung einnehmen. Die Hauptperson des Romans ist also Rosa Sandor. Ihm gegenüber halten sich die historischen Figuren eher im Hintergrund.

    Da nun mit Rosa eine fiktionale Figur als Held eines historischen Romans fungiert, stellt sich die Frage, ob Rosa als „mittlerer“ Held zu werten ist. Nach Lukács zeichnet dieser sich durch „eine gewisse, nie überragende praktische Klugheit, eine gewisse moralische Festigkeit und Anständigkeit, die sogar bis zur Fähigkeit der Selbstaufopferung reicht, die aber niemals zu einer menschlich hinreißenden Leidenschaft erwächst, nie begeisterte Hingabe an eine große Sache ist511, aus. Am „mittleren“ Helden sollen laut Lukács die historischen Strömungen sichtbar werden, da er sowohl mit dem Volk als auch mit den historischen Personen verbunden ist. Rosa kommt zwar aus dem Volk und begegnet vielen historischen Persönlichkeiten, doch ist er von zwei großen Leidenschaften getrieben: dem Kampf gegen das Unrecht und der bewundernden Liebe zu Kossuth. Rosa interessiert der politische Hintergrund seines Handelns und die historischen Umstände jedoch wenig, für ihn zählt nur sein Kampf gegen die Ungerechtigkeit. Damit ist Rosa ein doppelt Isolierter: Vom Volk trennt ihn sein unbeirrbarer Glaube, von den historischen Strömungen sein Desinteresse an politischen Konstellationen. Er kämpft nur für seine eigene Sache: die Gerechtigkeit. Rosa fungiert aus diesem Grund selbst als Protagonist. Er steht mit seinem Streben nach Gerechtigkeit über dem Historischen, an den geschichtlichen Ereignissen wirkt er nur aus Liebe zu Kossuth mit, nicht aus politischer Überzeugung. Da Rosa im Text keinen Beobachter, sondern einen Handelnden darstellt, trifft die Definition des „mittleren“ Helden von Lukács nicht auf ihn zu.

    Viel eher scheint Niels Nielsen in „Der Favorit der Königin“ auf den ersten Blick einem „mittleren“ Mini-Helden zu entsprechen. Er hat Anteil am Volksleben und erfährt die politischen Veränderungen am eigenen Leib, wodurch er als Repräsentant des Volkes gelten kann. Bei ihm fehlt jedoch der Bezug zu den handelnden historischen Personen und damit der Kontakt zu den historischen Strömungen. Seine Rolle ist für einen „mittleren“ Helden außerdem viel zu klein angelegt. Neumann wollte mit ihm wohl nur eine Stimme des Volkes erschaffen, um die Reaktionen der Masse besser erklären zu können.

    Zusammengefasst lässt sich erkennen, dass die von Neumann in seinen beiden Romanen gestalteten historischen Personen wesentlich zur Erschaffung eines geschichtlichen Bewusstseins beitragen. Wie schon bei den Fakten so orientiert sich der Struensee-Roman auch bei den historischen Personen stark an den Vorgaben der Geschichte. Nur eine nennenswerte Figur, Niels Nielsen, basiert nicht auf einem geschichtlichen Vorbild. Im Sandor-Buch dominieren hingegen die fiktiven Figuren rund um Rosa, die historischen Figuren treten mit Ausnahme Kossuths, den Andrassys und Kaiser Franz Josephs eher in den Hintergrund zurück.



    Die historische Kulisse
    Neben den im Text verwendeten historischen Fakten und Personen erweist sich die Kulisse, die die einzelnen Szenen und Episoden umgibt, als ein wichtiger Geschichtengenerator in Neumanns Romanen. Die Räume in „Der Favorit der Königin“ strotzen etwa vor barocken Möbeln und Gebrauchsgegenständen. Die Figuren sitzen auf einem „schnörkelig vergoldeten Polstersessel512, einem verschnörkelten „Kanapee513, einem „vergoldeten Stühlchen514 oder einem Sessel, der mit „scharlachrotem Brokat515 bespannt ist. Im Inventar der Räume findet sich beispielsweise ein „venezianische[r] Spiegel516, eine Miniaturmalerei, „silberne, kunstvolle Nichtigkeiten517 und ein „Prunkteppich518. Die Figuren verwenden ein „Tintenfaß mit Gänsekielen519 und eine „Tabaksdose520. Zu Körperpflege stehen ein „Tischchen mit einem Waschgeschirr521 oder ein Krug mit Wasser522 bereit, dem guten Duft zuliebe benützen sie ein „Riechwasser523. Für Fahrten nach draußen dient eine „festlich vergoldete Hofkutsche524, für die Pferde verwendet man eine „Reitgerte525 und Sporen526.

    In „Die Freiheit und der General“ sind die Räume der Adeligen auf ganz ähnliche Art und Weise gestaltet. Auch hier sitzen die Figuren auf einem „verschnörkelte[n] Kanapee527 oder einem „rotsamtenen Sessel528 mit dem doppelköpfigen Adler des Habsburgerreiches auf der Rückenlehne. Die Zimmer sind mit einer „brokatenen Wandtapete529, einer „Tapetentür530, einer Leuchte und einem venezianischen Spiegel ausgestattet531. Die Figuren benutzen ebenfalls „Riechwasser532, rauchen schwarze Virginiazigarren533 und hüllen ihre Bücher in sogenannte Liseusen534. Für Fahrten übers Land benutzen sie Karossen, ein Coupé oder ein „springgefedertes englisches Gig535.

    Dieser prunkvollen Welt der historischen Adeligen steht im Sandor-Roman die eher bescheidene Ausstattung der fiktiven Figuren gegenüber. Ihre Häuser haben Strohdächer536 und kalkgetünchte Mauern537, als Kleidung tragen sie „wollene Strümpfe538, Bauernhosen, ein verwildertes Hemd und verwilderte Haare539, derbe Stiefel540, eine „abgedarbte[...] Weste541 und einen „Schnürwams542.

    Die Kleidung der ungarischen und österreichischen Adeligen macht sich natürlich viel vornehmer und kostspieliger aus. So bekleiden sich die Männer etwa mit Magnatenrock, Stulpenstiefel543 und Siegelringen544, die Damen tragen „duftige Rüschen über einer hochgemiederten Brust, duftig gepuffte Ärmel, [...] einen duftig siebenmal siebenfach gefältelten Rock545 und kämmen ihre Haare zu prunkvollen Frisuren546.

    Mit ähnlich kostbaren Gewändern sind auch die adeligen Figuren des Struensee-Romans ausgestattet. Die Männer hüllen sich beispielsweise in einen hellblauen „Flauschrock aus weichem Tuch547, in einen „Königsmantel oder einen Diplomatenfrack548 und tragen eine Perücke549. Die Damen besitzen „pelzbesetzte Seidenschuhe550, einen Spitzenmantel mit schleifender Schleppe551 und Diamantschmuck552.

    Neben der Beschreibung der Ausstattung der Räume und der Gewänder sind auch die Handlungsweisen und die Gepflogenheiten der dargestellten Person wichtige Mittel, um beim Leser den Eindruck einer vergangenen Epoche zu erwecken. So muss beispielsweise der englische Gesandte Oberst Keith der Sitte des dänischen Hofs gemäß nach einem Wink der Königin ohne weiteres Zögern rückwärts schreitend den Raum verlassen.553 Oder Schimmelmann und Bernstorff erlauben sich nicht, locker vor sich hin zu pfeifen, weil dies für einen Mann von Stand nicht schicklich ist.554 Im Sandor-Roman werden neben den adeligen Gepflogenheiten auch jene des Volkes geschildert. Beispielsweise werden Dung und Abfälle einfach auf die Straßen gekippt.555

    Anhand derartiger Schilderungen wird ein ungefähres Sittenbild der historischen Zeit entworfen, die veralteten Umgangsformen und Gepflogenheiten betonen die zeitliche Distanz zwischen der erzählten Epoche und der Gegenwart des Lesers. Ebenso fungiert die Ausstattung der Räume und die Kleidung der Figuren als ein wichtiges Mittel, um den Eindruck einer vergangenen Zeit zu erwecken. Die Schilderung der historischen Kulisse steht aber nicht im Vordergrund, die Beschreibungen werden nicht um ihrer selbst willen, sondern nur in Verbindung mit den handelnden Personen in den Text eingefügt. Aus diesem Grund scheinen die verwendeten Details nur in dem Maß eingesetzt zu werden, wie sie zur Suggerierung der historischen Kulisse dienen.

    Historisches im Sprachgebrauch


    Auf der sprachlichen Ebene des Textes finden sich ebenfalls Elemente, die die Distanz zwischen der erzählten Epoche und der Gegenwart des Lesers aufzeigen und somit historisches Flair entstehen lassen. Vor allem anhand der direkten Figurenrede und anhand der in den Text eingebauten Zeitdokumente lässt sich der historisch anmutende Sprachgebrauch ablesen. So befiehlt etwa Köller seinem Verschwörungskollegen Rantzau die Verhaftung von Mathilde mit den Worten: „Rantzau, arretier Er die Königin!“556 Ebenso wird der alte Hofarzt Berger mit dem Satz „Komm Er her da!557 zum König gerufen. Auch aus der Rede Mathildes vor den Bürgern in Altona lässt sich durch die Verwendung des Pluralis Majestatis Neumanns Konstruktion einer veralteten Sprache gut erkennen: „Eure Liebden, wertedle Bürgerschaft! Es hat Uns große Genugtuung bereitet, Unsere getreue Stadt Altona samt Denkmalen und Institutionen in Augenschein nehmen und Uns vom Blühen Handels und Wandels hierorts persönlich überzeugen zu können, und Wir werden nicht verfehlen, Unseren Hohen Gemahl, Seine Majestät König Christian, hievon zu unterrichten.“558 Eine ähnliche Sprachverwendung lässt sich an einem Brief von Christians Sekretär Reverdil an Mathilde erkennen: „Wir, Christian der Siebente, König, grüßen Sie von Herzen, Majestät. Meine vielgeliebte Mathilde! Es ist nun schon sieben Monate, daß Ich nicht in Ihr Antlitz geblickt habe, Meine Königin – es ist Mir, als wären es sieben Jahre. Wir dürfen nicht, wie Wir wollen, sonst wären Wir bei Euch. So bleibt Mir Eurer Mutter, Eures Bruders Gesicht, in denen Ich nach Euren Zügen forsche.“559 Als typisch für den historisierenden Sprachgebrauch Neumanns erweist sich auch die Verwendung von fremdsprachlichen Ausdrücken. Neben Latein, das für medizinische Fachausdrücke wie etwa „Irritabilitas nervorum560 verwendet wird, ist dies hauptsächlich das Französische, das immer wieder in beiden historischen Romanen auftaucht. Vor allem bei der direkten Anrede von Figuren („Monseigneur561, „Mon cher562) und bei phrasenhaften, fast sprichwörtlichen Ausdrücken wie „Pardonnez-moi563, „Allons564 oder „s’il vous plaît565 wird die französische Sprache, wie im 18. Jahrhundert an den europäischen Königshöfen üblich, benutzt. Insbesonders bei delikaten und unbequemen Situationen, die nicht jeder verstehen soll, wird die Fremdsprache gern eingesetzt. Beispielsweise fleht Mathilde auf der Reise ihren Gastgeber an, ihr nicht, wie üblich, ein Zimmer in Christians Nähe zu geben: „Menez-moi dans le cabinet de la princesse Louise, mais ne me faites pas passer par l´antichambre où se trouve la cour!“566 Auch bei der Unterredung zwischen Mathilde und dem Chefankläger Struensees, Juell-Wind, wird französisch gesprochen: „Si l’aveu de Monsieur Struensee n’est point vrai, Madame la Reine, alors il n’y a pas de mort assez cruelle pour ce monstre qui a encore osé vous compromettre à ce point.“567

    Ähnliche Passagen finden sich ebenfalls in „Die Freiheit und der General“, da auch am österreichischen Kaiserhof Französisch gesprochen wird. So verbietet etwa Erzherzogin Sophie Kaiser Ferdinand, vor dem jungen Franz Joseph schlüpfrige Geschichten zu erzählen: „>Votre Majesté<, unterbrach die Schwägerin. >Songez à la presence de l’enfant!<568

    In den Sandor-Roman werden aber nicht nur französische, sondern auch „wienerische“ Passagen, in denen die österreichischen Figuren im „nasalen Tonfall der Wiener Gentry569 reden, eingebaut. Dies ist zum Beispiel bei der Unterredung zwischen Karl Andrassy und Minister Schwarzenberg der Fall: „>Du hörst, Karli<, wiederholte der Fürst. >Ist wirklich fesch von dir, daß du da heraufkommst. Apropos – du bist doch von dort hinten, von Ungarn, nicht? Warum denn auch nicht – schließlich muß doch ein jeder von irgendwo sein. Zigarre? Nein, ich dank‘ schön, ich hab‘ schon Feuer, ich laß‘ immer das kleine Lamperl da auf meinem Tisch brennen – praktisch, was? Meine eigene Erfindung. Exzellenz drinnen hat mir’s nachgemacht! Ja – apropos. Kennst du vielleicht in Ungarn einen gewissen Kossuth?<570 Mit derartigen Stellen, in denen versucht wird, den damaligen Sprachgebrauch zu kopieren, wird nicht nur eine entsprechende historische Kulisse geschaffen, sondern auch ausdrücklich der Ort der Konversation festgelegt. Das übertriebene Wienerisch hat damit nicht nur historische, sondern auch eine lokale Bedeutung.

    Neben den Passagen in direkter Rede werden von Neumann auch verschiedene für die dargestellten Epochen typische Ausdrücke in den Text eingebaut, die zusätzlich zur Bildung des historischen Hintergrunds beitragen sollen. Überwiegend sind dies veraltete, heute großteils ausgestorbene Wörter wie etwa „Mariage“571, „Depesche572, „Fidibus573 (ein Holz- oder Papierstreifen zum Anzünden), „minorenn574 (unmündig) oder „Spezerei575 (Gewürzhandlung) und Phrasen wie „von der englischen Majestät refüsiert576 oder „die überschriebene Ordre zu effektuieren577. Insbesonders bei der Erwähnung von alten Währungen, Maßeinheiten oder Ämtern fällt die Bezugnahme zu historischen Ausdrücken auf. Beispielsweise wird in Talern, Spezies578 und Gulden579 gezahlt und in Unzen580 gewogen. Als historische Ämter werden etwa der „Reisemarschall, der „Kabinettssekretär581, der „Gutsfiskal582 und der Garnisonsoffizier583 genannt.

    Anhand all dieser Beispiele zeigt sich, dass die Geschichtengeneratoren auch auf der sprachlichen Ebene im Text fixiert worden sind. Besonders deutlich ist dies bei der direkten Figurenrede und bei der Montage von zeitgenössischen Schriften, aber auch bei der Verwendung von veraltet erscheinenden Ausdrücken für Gegenstände und Ämter zu erkennen.

    Überlegungen zu Neumanns Konzeption von Zeit und Geschichte
    In beiden historischen Romanen Robert Neumanns ist der Zeitrahmen der Handlung genau festgelegt. Beim Struensee-Roman setzt die Handlung im Jahr 1766 mit der Thronbesteigung Christians ein und endet mit dem Angriff der Engländer auf Dänemark im Jahr 1807. Die Geschichte im Sandor-Buch beginnt im Jahr 1831 mit der Niederschlagung des polnischen Aufstandes durch den russischen Zaren und hört mit dem Tod Sandors um das Jahr 1871 auf. Die Handlung der beiden Romane bleibt im Groben auf diesen Zeitraum beschränkt, nur ab und zu werden frühere historische Ereignisse eingefügt oder Gedanken über die Zukunft gesponnen. So fühlt sich Bernstorff beim Anblick des Berndt an die Zeit des Kaiser Hadrians erinnert584 oder denkt, dass Struensee in „historischerer Zeit585 wahrscheinlich als Zauberer verbrannt worden wäre. Weiters werden in beiden Romanen immer wieder konkrete historische Ereignisse wie zum Beispiel die Ermordung Peters III. durch Katharina die Große von 1762586 erwähnt oder auf die Französische Revolution von 1789587 angespielt.

    Neben diesen Rückblenden finden sich aber auch viele Stellen, in denen Blicke auf die Zukunft gewagt werden. Beispielsweise ist sich Struensee sicher, durch seine Taten in die Geschichte aufgenommen zu werden588 und auch Kossuth glaubt, später einmal in den Geschichtsbüchern stehen zu werden589.

    Derartige Rück- und Vorblenden vermitteln die Suggestion eines Zeitflusses und einer linearen Entwicklung der Geschichte. Damit verbunden ist auch ein utopisches Element: dem Leser wird immer wieder ein Blick in die Zukunft geboten und somit die Folgen der geschilderten Ereignisse sichtbar gemacht.
    Die Zeitangaben sind in beiden historischen Romanen sehr detailliert und stimmen mit den historischen Daten überein. Die Verhaftung Struensees findet in der Nacht vom 16. auf den 17. Jänner 1772 statt590, Kossuth passiert am 17. August 1849 die türkische Grenze591. Zeitangaben dienen aber nicht nur der historischen Verortung der Handlung, sondern auch der Strukturierung des Textes und zur zeitlichen Orientierung des Lesers: „Das war am fünften Oktober. Am sechsten, ehe noch die Nachricht von der Exekution jener Exekutierer mit der schnellsten Post so weit hätte reisen können, erschien ein österreichischer General ganz droben im Norden, in der festen Stadt Munkacs.“592 Bei dieser Stelle ist weniger die genaue Datumsangabe als vielmehr die Zeit, die zwischen den beiden Daten liegt, von Bedeutung. In der Spanne eines einzigen Tages hatte es Rosa nämlich geschafft, mit seinem Pferd eine unmöglich erscheinende Distanz zurückzulegen. Ebenso dient auch Struensees Ärger, taten- und machtlos in Altona zu sitzen, als strukturierendes Hilfsmittel: „seit zwölf Jahren sitz‘ ich tatenlos und machtlos in dieser Stadt.“593 An einer späteren Stelle im Buch, am Ende der Reise Christians durch England, ist bei der Nennung dieser Phrase schon mehr Zeit vergangen: „Seit fünfzehn Jahren steh‘ ich und sitz‘ ich und schlaf‘ ich, tatenlos und machtlos, und warte.“594 Anhand dieser Aussage lässt sich rekonstruieren, dass zwischen der Ankunft Mathildes in Altona und dem Ende von Christians Englandreise drei Jahre liegen dürften. Eine derartige Verwendung von Daten scheint für Neumann also ein wichtiges Mittel für die Konstruktion eines Zeitverlaufes zu sein.

    Beide historischen Romane beinhalten immer wieder auch mehr oder weniger deutliche Zeitsprünge. Beispielsweise hüpft die Handlung im Struensee-Buch nach der Vergewaltigung Mathildes durch Christian um neuen Monate zur Geburt des Thronfolgers nach vorne.595 Größer sind die Zeitsprünge im Sandor-Roman, denn zwischen dem ersten und zweiten Buch liegt ein Sprung von zehn, zwischen dem vierten und fünften Buch sogar von siebzehn Jahren. Die zeitlichen Veränderungen machen sich im Text auch deutlich bemerkbar. So ist im zweiten Buch Karl Andrassy bereits gestorben596 und im fünften Buch haben einige technische Neuerungen wie eine Dampftramway597 Einzug gehalten und Veränderungen im Stadtbild von Seged (neues Hauptpostamt, ein Bahnhof und eine Fabrik598) bewirkt. Diese zeitlichen Raffungen, die irrelevante Stellen einfach aus der Erzählung streichen, sollen die Handlung straffen und für mehr Dynamik und Spannung im Text sorgen. Im Gegenzug wird aber bei besonders ereignisreichen und wichtigen Szenen oftmals im Erzählfluss innegehalten und ein Ereignis aus mehreren Perspektiven geschildert. Ein Beispiel dafür ist die Hinrichtungsszene Struensees, die aus mehreren verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet wird.599

    Derartige Zeitwahrnehmungen werden in beiden historischen Romanen auch bewusst artikuliert: „Am siebzehnten oder am siebenundsiebzigsten Tag – denn die Zeit stand still und raste doch dahin, so daß du lächelnd darauf verzichten mußtest, dich in ihr zurechtzufinden – sagte die Königin: [...].“600 Steht die Zeit in diesem Fall aufgrund des Liebesglücks von Mathilde still, so geschieht dies an einer anderen Stelle aus dem Sandor-Roman aufgrund der Vielzahl von Ereignissen: „Das war sieben Monate später – sieben Monate, in denen die Zeit stillstand, beladen bis an den Rand, und doch raste, verflatternd ehe man sich’s versah.“601 Die subjektive Zeiterfahrung ist an den Figuren also deutlich ablesbar.
    In beiden Texten werden immer wieder direkte Verbindungen zwischen der erzählten Zeit und der Erzählzeit, also der Gegenwart des Erzählers, gezogen. Meist geschieht dies durch den Einbau von „zeitgenössischen“ Dokumenten wie Briefen oder der dänischen Chronik, aus denen der Erzähler rezipiert. Oft erscheinen aus diesem Grund im Text Sätze wie: „Die Chronik weiß [...]“602 oder „Die Geschichte weiß [...]“603. Ein Beispiel für ein derartiges Dokument ist ein Brief des Spitzels Beringskjold, der von der Unterredung Christians und Mathildes über die Schwangerschaft berichtet. Der Erzähler scheint das Schriftstück vor sich liegen zu haben: „Datiert von jener Zeit sind ein paar Zettel erhalten, bedeckt mit einer kurzstirnig fliehenden und dann doch wieder schnörkelig sich verweilenden Handschrift, die die des Kanzlisten und Spitzels Beringskjold sein mag.“604 Aus der Gegenwart des Erzählers wird aber sogleich in die Darstellung der vergangenen Epoche zurückgeblendet, indem geschildert wird, wie Guldberg Juliane aus den Zetteln vorliest.605 Die Montage derartiger Dokumente wie auch Struensees Todesurteil, das auf einem vergilbten Papier erhalten zu sein scheint606, soll den Roman authentischer und objektiver erscheinen lassen.

    Problematisch erscheint in diesem Zusammenhang aber beispielsweise der Bericht des Hofpredigers Münters, eines erklärten Struensee-Feindes, der in seinen Lebenserinnerungen seinen letzten Besuch bei Struensee festgehalten hat.607 Der Text ist in einem wohlwollenden, theologischen Ton gehalten, zwischen den Zeilen lässt sich aber deutlich die wahre Mission Münters ablesen: er sollte Struensee auch noch vor seiner Hinrichtung einschüchtern. Mit der Einfügung eines bewusst vom Verfasser verfälschten Zeitzeugenberichtes wird die Objektivität der Dokumente hinterfragt, die Subjektivität einer jeden geschichtlichen Quelle aufgezeigt. Auch an anderen montierten Texten wird die bewusste Geschichtverfälschung demonstriert. Das wohl beste Beispiel sind die Berichte über den Zustand von Christian und Mathilde, die sowohl vom dänischen als auch vom englischen Gesandten in ihr jeweiliges Heimatland geschickt werden. Im Brief des englischen Gesandten heißt es etwa: „Der junge König lebt regelmäßig und nüchtern, ißt herzhaft, trinkt aber kaum ein Glas Wein. Er ist mitleidig und gütig von Gemüt, aber gerecht und entschieden. Er ist von hellem Verstand, dabei wohlvertraut mit den Ideen der Tugend und der Religion.“608 In Wahrheit ist natürlich das Gegenteil der Fall. Die scheinbare Objektivität der Dokumente wird durch solche Stellen negiert, die problematische Rekonstruktion der Geschichte anhand von Quellen, die an ihre jeweilige Perspektive gebunden sind, angesprochen. „Ehe die Farbe trocknet, ist das Bild gelogen.“609 heißt es dementsprechend im Struensee-Roman.

    Dass mit dem Zeitabstand eine immer stärkere Verfälschung und Verklärung der Geschichte stattfinden kann, wird ebenfalls an mehreren Stellen gezeigt. Ein Beispiel ist die Begegnung Kaiser Franz Josephs mit Rosa, bei der der verdutzte Kaiser nur knapp seiner Entführung entgeht. Sein Diener stellt rund zwanzig Jahre später die Entführungsszene komplett anders dar: „Majestät haben ihn damals mitsamt seinen Räubergesellen so hoheitsvoll und kaiserlich angeblickt, daß sie alle miteinander die Waffen weggeworfen haben und in einer patriotischen Begeisterung die Hüt in die Luft und – >Hoch.“610 Selbst Kaiser Franz Joseph hat diese Episode noch ein wenig anders in Erinnerung: „Er erinnerte sich jetzt des Vorfalls. Der war ihm ein wenig anders im Gedächtnis geblieben – doch hatte er seinem Gedächtnis für solche Anlässe zu mißtrauen gelernt.“611 Diese Szene zeigt also die bewusste Abänderung der Geschichte für den persönlichen Nutzen und Vorteil.

    Auch das Vergessen breiter Teile der Geschichte wird in den Romanen artikuliert, wie sich am jungen Reporter der „Ofener Post“, der nichts von Rosa Sandor weiß, zeigt.612


    Zusammenfassend lässt sich erkennen, dass in beiden historischen Romanen Robert Neumanns die Konstruktion der Geschichte anhand der eingefügten Materialien und Dokumente hinterfragt und der Hiatus zwischen literarischer Fiktion und historischen Fakten damit akzentuiert wird. Die Geschichte scheint in beiden Romanen aus den historischen Dokumenten rekonstruiert zu werden, gleichzeitig wird aber auch betont, dass diese Quellen nur scheinbar objektiven Charakter besitzen, in Wirklichkeit aber meist persönlichen Interessen und Perspektiven folgen. Die subjektive Konstruktion der Geschichte wird demnach in den historischen Romanen Neumanns nicht verschleiert, sondern durch die Vielzahl an eingefügten Dokumenten hervorgehoben, die von Hans Vilmar Geppert geforderte Sichtbarmachtung des Hiatus damit untermauert.

    Als problematisch erweist sich hingegen die bei Neumann sehr deutliche Privatisierung der Geschichte. Die historischen Ereignisse scheinen nicht auf historischen Strukturen und Prozessen zu beruhen, sondern nur durch die Psychologie und Emotion der Figuren motiviert zu werden. Die Habsburger entscheiden im Sandor-Roman beispielsweise launig und ohne längeres Nachdenken über den Hinauswurf der ungarischen Delegation und lösen damit die Revolution aus.613 Ihr Handeln beruht also nicht auf politischen Erwägungen, sondern auf einer emotionalen Basis. Und auch Struensee führt aus eigenem Vorteil die Pressezensur wieder ein, nachdem feindselige Plakate und Texte gegen ihn erschienen sind.614 Elke Nyssen kritisiert diese privatistische Darstellung der geschichtlichen Abläufe in „Der Favorit der Königin“: „Die an sich politische Auseinandersetzung wird nicht als politische gezeigt, sondern als höfische Intrige. Die Darstellung wirkt nicht überzeugend, da der historische Prozeß, den dieser Roman schildert, zurückgeführt wird auf die Einsichten und Entschlüsse weniger Einzelner. Hinter Struensee steht außer einem Minister keine Gruppe. Die Königin selbst begreift sein Reformprogramm nicht. Sie unterstützt es nur, weil sie ihn liebt. Als entscheidendes Motiv für die Gegenaktion des Adels wird der Neid und die Mißgunst der Königin-Mutter dargestellt. Eminent politische Ereignisse werden allein auf psychologische Momente zurückgeführt. Diese mögen den letzten Anlaß für die Geschehnisse gegeben haben, als alleinige Ursache können sie nicht angesehen werden, soll im historischen Roman Aufklärung über historische Prozesse erreicht werden.“615 Für Neumanns Geschichtskonzeption scheint demnach zu gelten, was Renate Werner für die gesamte historische Exilliteratur konstatiert hat: „Dominanz personell-individueller Triebkräfte der historischen Akteure, der Sujetkonstruktion als Kette von Liebens- und Abenteuergeschichten und der Annäherung der dargestellten Geschichte an die vertraute Erfahrungs- und Vorstellungswelt der Leser durch Psychologisierung, Privatisierung und Generalisierung.616 Auch die Einschätzung von Georg Lukács, die Exilschriftsteller würden sich nur mit den „seelischen Problemen der oberen Schichten617 beschäftigen, dürfte auf Neumann zutreffen.

    In Neumanns Geschichtskonzeption scheinen also nicht die geschichtlichen Fakten im Vordergrund zu stehen, sondern universelle Themen und Triebkräfte, für die die geschichtlichen Ereignisse nur die entsprechende Kulisse bereitstellen. Diese Themen sollen im vierten Kapitel noch ausführlicher untersucht werden. Als positiv ist in Neumanns Geschichtskonzeption aber die kritische Auseinandersetzung mit der Frage rund um die Objektivität und die Möglichkeiten der Historiographie zu bewerten.

    Pendeln zwischen traditionellen und modernen Erzählmustern: Ästhetische Betrachtungen





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