Verena Ofner die historischen romane robert neumanns eine Analyse



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Verena Ofner




DIE HISTORISCHEN ROMANE ROBERT NEUMANNS

Eine Analyse


Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie aus der

Studienrichtung Deutsche Philologie eingereicht an

der Geistes- und Kulturwissenschaftlichen Fakultät

der Universität Wien

Wien, 2004

meinen Eltern gewidmet

Inhaltsverzeichnis


Eine Analyse 1

1.Fiktion vs. Fakten: Das Problem des geschichtlichen Stoffes 8

2.Die Entwicklung der Gattung 17

1.Politische Umwälzungen und Flucht aus der Heimat: Vorgeschichte und Chronologie der Emigration 42

1.1.Von liberaler Handhabung zur Internierung: die britische Flüchtlingspolitik 51



2.Flucht vor der Gegenwart oder antifaschistische Waffe? Die Debatte um den historischen Roman im Exil 65

2.1. Das Erscheinungsbild des historischen Romans im Exil 71



1.Kindheit, Jugendjahre und erste literarische Erfolge 83

2.Formale Aspekte der historischen Romane 103

2.1.Entstehungs- und Editionsgeschichte 103

2.1.1.„Der Favorit der Königin“ 113

2.2.Genrespezifische Betrachtungen: Die „Geschichtengeneratoren“ in den historischen Romanen Robert Neumanns 127

2.3.Literarische Fiktion und Einflechtung historischer Fakten 127

2.4.Formale Konzeption der historischen Romane 150

2.4.1.Illegitime Machtergreifung und höfische Intrige 169

2.4.2.Streben nach Umsetzung der Reformideen Rousseaus 177



Einleitung
Zurückgeblättert und festgestellt, daß ich vom Romanschreiben viel zuviel Aufhebens mache. Das interessiert höchstens einen einsamen Germanisten irgendwann. Und selbst ob es den jemals geben wird ist fraglich. >Lachen möchte‘ ich, wenn sich herausstellt, es gibt das gar nicht<, wie sich der sterbende Jude bezüglich des ihm versprochenen Jenseits geäußert hat. Und gibt es den Germanisten trotzdem, so zerbreche er sich den Kopf; dazu hat er ihn. (Nicht bloß zum Grüßen.)1 Robert Neumanns Befürchtung, im „literarischen Jenseits“ bald vergessen zu sein, hat sich rund dreißig Jahre nach seinem Tod im Jahr 1975 scheinbar bewahrheitet: Der zu seinen Lebzeiten sehr präsente sowie populäre Autor und Kritiker ist heute in der Öffentlichkeit kaum mehr bekannt, seine Bücher werden bis auf die am Anfang seiner Karriere entstandenen Parodien nicht mehr gelesen, die germanistische Forschung hat sein literarisches Schaffen aufgrund seines langjährigen Aufenthalts im britischen Exil erst ansatzweise wiederentdeckt und bearbeitet.

Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich einen kleinen Beitrag zur Aufarbeitung seines Gesamtwerks leisten, um Neumann nicht gänzlich in Vergessenheit geraten zu lassen. Die am Beginn seines britischen Exils verfassten historischen Romane „Der Favorit der Königin“ und „Die Freiheit und der General“ werde ich – mir meinen „germanistischen“ Kopf zerbrechend – einer ersten inhaltlichen und ästhetischen Analyse unterziehen. Da bis jetzt allerdings nur wenige Untersuchungen zu Robert Neumanns Gesamtwerk im Allgemeinen und zu seinen Geschichtsromanen im Speziellen vorliegen, werde ich mich für die Interpretation auf eine umfassendere theoretische Basis stützen müssen, die das historische Genre und die literarischen Produktionsbedingungen während des Exils untersuchen soll.


Die Gattung des historischen Romans sah sich seit ihrem Erscheinen am Ende des 18. Jahrhunderts einer Legitimationsdebatte ausgesetzt, die die Rechtmäßigkeit der Verbindung zwischen historischen Fakten und literarischer Fiktion anzweifelte. Im ersten Teil meiner Arbeit möchte ich versuchen, dieser umstrittenen und heterogenen „Zwittergattung“ näher zu kommen und ihre auffälligsten Merkmale und Eigenschaften darzustellen. Um eine poetologische Eingrenzung des Genres geben zu können, sollen sowohl das scheinbar gespannte Verhältnis zwischen Literatur und Geschichtsschreibung, als auch die verschiedenen theoretischen Auseinandersetzungen über die Gattung untersucht werden.
Einen wahren Produktionsschub verzeichnete der historische Roman in den Anfangsjahren des Exils, in das nach Hitlers Machtergreifung im Jahr 1933 auch viele Schriftsteller gezwungen waren. Der schriftstellerische Hintergrund der Exiljahre, die Produktionsbedingungen und das literarische Umfeld der Exilautoren werden im Mittelpunkt des zweiten Teils meiner Arbeit stehen. Ein kurzer chronologischer Überblick über die historischen Ereignisse und die Herausarbeitung der Spezifika des britischen Exils sollen den lebensgeschichtlichen Hintergrund Neumanns bei der Niederschrift seiner Geschichtsromane verdeutlichen. Auch das Erscheinungsbild der Gattung selbst wurde durch das Exil beeinflusst, die wichtigsten Auffälligkeiten der historischen Exilromane in Inhalt und Form möchte ich aus diesem Grund ebenfalls genauer betrachten.
Diese theoretischen Überlegungen bilden die Basis für die Analyse von Robert Neumanns historischen Romanen im dritten Teil meiner Arbeit. Aufbauend auf den Erkenntnisse aus den beiden ersten Teilen sollen die wichtigsten „Geschichtengeneratoren“, die für die Suggestion der historischen Vergangenheit verantwortlich sind, die ästhetischen Besonderheiten und das antifaschistische Potential der historischen Romane herausgearbeitet werden.

Zielsetzung der Arbeit ist eine erste eingehende Analyse und Bewertung der historischen Romane Robert Neumanns, wobei ich bei der Interpretation besonderen Wert auf die Nähe zum Text und auf die Hereinnahme des lebensgeschichtlichen und theoretischen Hintergrundes legen möchte, um ein möglichst umfassendes Bild von Neumanns historischen Romanen zeichnen zu können.


Dank gebührt an dieser Stelle Prof. Dr. Wynfrid Kriegleder für die wissenschaftliche Betreuung der Arbeit, sowie den Mitarbeitern der Handschriftensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes und des Wiener Literaturhauses für ihre Beratung und Hilfe bei meinen Recherchearbeiten.

Dank gesagt sei auch meiner Familie für die Ermöglichung des Studiums, Clemens für seine geduldige Unterstützung und meinen Freunden und Studienkollegen für ihre offenen Ohren und nützlichen Anregungen. Ohne sie alle hätte die vorliegende Arbeit nicht in dieser Form entstehen können.

Erster Teil: Der historische Roman – eine heterogene Gattung
Seit ihrem ersten Erscheinen am Ende des 18. Jahrhunderts ist die Gattung des historischen Romans fortwährend einer Legitimationsdebatte über Berechtigung und Zweck des Genres unterworfen. Ihr wurde vorgehalten, aufgrund der Verwendung geschichtlicher Fakten die Grenzen der Dichtkunst zu verlassen und sich auf triviale und daher unziemliche Weise mit Geschichte zu beschäftigen. Literaturkritiker und Historiker zweifelten die Glaubwürdigkeit und historische Objektivität der Gattung an und bezichtigten den historischen Roman der Geschichtsfälschung und bewussten Täuschung der Leser. Mit Begriffen wie „Zwittergattung“ und „Bastard“ sollte der Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Verbindung zwischen Literatur und Geschichtsschreibung ausgedrückt werden.

Dem historischen Roman haftete deshalb lange der Ruf der trivialen, rein auf Unterhaltung spekulierenden Literatur an, die den Leser zwar auf spannende und detailreiche, aber eben unwissenschaftliche Weise in vergangene Welten entführt. Erst die am Ende des 19. und während des 20. Jahrhunderts entstandenen historischen Romane konnten (wie es zuvor nur Walter Scott gelungen war) den Kritikern aufgrund ihres neuen reflexiven Umgangs mit der Geschichte standhalten. Trotzdem wurde die Gattung von der Literaturwissenschaft bis in die Gegenwart eher stiefmütterlich behandelt, weshalb sich die Auseinandersetzungen mit dem Genre auf wenige Monographien und Zeitschriftenartikel, die zudem noch äußerst divergierende Ansichten über die Gattung vertreten, beschränken.

Dieser erste Teil meiner Arbeit soll ein Versuch sein, der umstrittenen und heterogenen Gattung des historischen Romans näher zu kommen und ihre wesentlichen Merkmale und konstituierenden Faktoren zu bestimmen.

Im ersten Kapitel möchte ich zunächst die Frage nach dem Verhältnis zwischen Literatur und Geschichtsschreibung im historischen Roman aufgreifen und den damit verbundenen Vorwurf der „Zwittergattung“ genauer untersuchen.

Das zweite Kapitel behandelt die diskontinuierliche Entwicklung des Genres und stellt unterschiedliche theoretische und literaturwissenschaftliche Auseinandersetzungen mit dem historischen Roman vor.

Im letzten Kapitel möchte ich die aufgeworfenen Fragestellungen und Ergebnisse dieses ersten Teils zusammenfassen und versuchen, eine Definition des historischen Romans zu bestimmen und seine wichtigsten Merkmale und Auffälligkeiten in einer poetologischen Eingrenzung der Gattung zu umreißen.

Zwischen Literatur und Geschichtsschreibung: Der historische Roman als Zwittergattung?




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