The Boston Tea Party



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The Boston Tea Party
Im englischen wie im kolonialen Alltag hatte der Tee bald große Bedeu­tung gewonnen. Das zeigte sich schließlich auf der berühmtesten aller Tea Parties, die eines Nachts in Boston stattfand. Die beteiligten Gruppen rede­ten anschließend kein Wort mehr miteinander, sondern ließen die Waf­fen sprechen.; das kommt in den besten Familien vor. Die Boston Tea Party ist keine Party, son­dern ei­ner der Initiationsmomente der amerika­ni­schen Ge­schichte. Am 16. Dezem­ber 1773 — für die Amerikaner von heute ein un­end­lich weit weg lie­gendes Datum — stürmten Geg­ner der briti­schen Ko­lonialverwaltung drei Schiffe der East In­dia Company, die gerade teebela­den aus dem Mutter­land einge­troffen wa­ren und leer­ten die Teekisten rest­los ins Wasser aus. Im Hafen von Boston kann man heute für fünf Dollar neunund­neunzig einen Henkelpott kaufen, der an das Er­eignis erinnert.

Der Teesturm von Boston war freilich nicht allein ein früher ameri­kanischer Aufstand gegen die feine Lebensart. Es war der amerikani­sche Nationalgedanke, der hier gewaltig die Flü­gel reckte, um bald darauf zu seinem ebenso großartigen wie erschreckenden Höhenflug anzu­setzen. Die Bri­ten bekamen in Boston die Quit­tung für hundert Jahre eines nicht immer selbstlo­sen kolonialen Enga­ge­ments. Schon gute drei Jahre zuvor, am 5. März 1770, waren beim Boston Massacre britische Offiziere mit örtli­chen Arbeitern und Matrosen bewaffnet aufeinan­dergeprallt. Kolo­niale Arro­ganz auf der einen und demokratische Demagogie (etwa eines Samuel Adams) auf der an­deren Seite standen sich von da an un­ver­söhn­lich gegen­über. Daß Amerika ohne die englische Krone das Land von Pfeil und Bo­gen geblieben wäre, interessierte plötzlich nie­manden mehr. Die American li­berty war nicht länger zu brem­sen.

Die Briten hatten den Teefrevel von Bo­ston mit ihrer allzu argli­sti­gen kolonialen Wirt­schafts­politik al­ler­dings selbst heraufbeschworen. Der Townshend Act, den das Parla­ment in Lon­don sechs Jahre zuvor verab­schiedet hatte, belegte verschiedene Pro­dukte, die aus dem Mut­terland in die Kolonien exportiert wurden, mit ho­hen Steu­ern. Solche fis­kalische Dreistigkeit lö­ste in Ame­rika, wo es bis heute nicht üblich ist, vor jedem Ansinnen des Fi­nanzamtes brav die Hacken zu­sammenzuknallen, einen Sturm der Entrüstung aus. 1770 mußte das britische Parla­ment die Zu­mu­tung zurücknehmen. Eine Ware aber sollte aus prinzipiellen Gründen wei­terhin demonstrativ be­steuert bleiben. Besonders wollte das Parlament dartun, daß es koloniale Steuern sehr wohl auch ohne koloniale Zustim­mung erheben könne. Um die englische Vor­herrschaft ein wenig zu veran­schau­lichen, wählte man die symbolträchtige Ware Tee.

Es wurde eine Teesteuer von drei Pence je Pfund erhoben. An­ders als Das »Taschenbuch für Theetrinker« später behauptete, war Amerika dem Despoten Tee jedoch keineswegs »freiwillig zinsbar«. Die Kaufleute in Boston umgin­gen die Steu­ertyrannei, indem sie illegal bei hol­ländischen Teehändlern und -schmugglern einen, in der Tat, schwarzen Tee kauf­ten. Daß sie Steuern nach England abführen soll­ten, ohne Vertreter für das Londoner Par­la­ment abordnen zu dürfen (»Taxation Without Re­presenta­tion«), empfanden sie ebenso als Pro­vo­kation, wie das Handelsmonopol, das die Briten seit 1773 ihrer in finan­zielle Schwierigkeiten ge­ratenen East India Company verschafften: Im Tea Act versuchte das Ministerium unter Lord Frederick North, Tee in den Kolonien mit Gewalt zu ver­markten. Die Briten saßen auf siebzehn Mil­lionen Pfund Tee und wußten nicht, wie sie sie losschla­gen sollten. Mit groben Machenschaften, die schon die eu­ropäi­sche Hoch­zoll-, Protektions- und Subven­ti­onspo­litik des späten zwan­zig­sten Jahr­hunderts vor­wegnahmen, versuchten sie, die East India Com­pany, das Flaggschiff ihrer ko­lonialen Wirt­schafts­politik, wieder flott zu ma­chen. Der Interventionismus der britischen Regie­rung und seine ka­thastrophalen Folgen für Eng­land sind ein Schulbeispiel für den Fluch staatli­cher Rege­lung der Wirtschaft. Auch hier führte der Realitätsver­lust zum Verlust rie­siger Ressour­cen und Poten­tiale. Der Tea Act und die konse­quent darauf fol­gende Boston Tea Party sollten als Lehstück gegen den ökonomischen Analpha­betismus Schülern aller kontinentalen Schulen eindringlich vermit­telt werden. Wenige Jahre vor der Französi­schen Re­volution wollten die Englän­der mit poli­ti­schem Druck den Markt außer Kraft setzen und eine der Obrigkeit ge­nehme Firma auf Kosten al­ler ande­ren bevor­zu­gen. Nie­mand da­mals ahnte jedoch, daß sol­che kö­niglichen Han­delsprivilegien auch in an­geb­li­chen Demokratien einmal als Mit­tel dienen wür­den, um am Welt­markt vorbei wirtschaften zu wollen.

Der Teeakt der englischen Regierung sah im wesentlichen vor, daß die Ostindien-Kompanie ein Monopol auf alle Tee-Exporte in die Kolo­nien, eine Zugriff auf die Exportsteuern und eine Erstattung jener Steuern erhalten sollte, die die Kompanie für gewisse Überschußmengen von Tee, die sie übrigbehielt, eigentlich hätte zahlen müs­sen. Ausschließ­lich auf den Seglern der East India Company wurde der Tee über den Teich ge­schip­pert. Im gerade erst entstehenden Land der unbegrenzten Möglichkeiten durfte der Tee nur von Agenten der Ostindien-Kompanie verkauft werden. Die freiberuflichen kolonialen Schiffer und Kaufleute mußten in die Röhre kuc­ken. Bei so massiver staatlicher Rüc­kendeckung konnte die East India Company sowohl in England als auch in Amerika alle ande­ren Anbie­ter von Tee problemlos im Preis unter­bieten. Diese aus­sichtslose Lage obrig­keitli­cher Subven­tion brachte schließlich sogar die Bostoner Ge­schäftsleute — schon damals konser­vative Kno­chen — auf die Seite radikaler Aufrüh­rer wie Sa­muel Adams, und seiner re­pu­blikani­schen Brüderschaft »Sons of Liberty«. Abgese­hen von den hand­festen geschäftlichen Interessen, ging es den Ostküstlern auch um‘s Prin­zip: Sie merkten wohl, daß die Teesteuer je­ner Fuß war, den die britische Regierung North noch in der Tür stehen­ließ, durch die sie gelgentlich neue Steuer­lasten einfüh­ren konnte. In England selbst wurde die Teesteuer übrigens erst 1964 abgeschafft.

Bevor sie zum Teesturm übergingen, ver­suchten es die Amerikaner zunächst auf die feine englische Art: Entlang der Ostküste traten Tee- und Kolonialwarenhändler von ihren Bestellungen zurück und verweigerten die Annahme von Liefe­rungen. In Boston jedoch bestand der königliche Gou­verneur Thomas Hutchinson dar­auf, daß das Gesetz eingehalten werde. Er befahl, daß die drei gerade aus England eingetroffenen Segler »Dartmouth«, »Beaver« und »Bedford« unge­hindert ge­löscht wür­den. Doch da hatte er die Zivilcourage der gerade aus kolonialer Bevormundung erwa­chenden Nord­ameri­kaner unterschätzt. In der Nacht zum 16. Dezem­ber 1773 schlichen sich etwa sechzig als Mohika­ner verkleidete Männer auf die drei Schiffe und enterten die Laderäume. Unter großem Hallo und Beifall von halb Boston bra­chen die falschen In­dianer, die unter ihren Dec­ken und Indianerfrisuren sehr malerisch aus­sa­hen, alle 352 Teekisten auf, die gesamte Ladung der drei Schiffe. Ent­ge­gen allen Regeln der Tee­zube­reitung schütteten sie die Blätter einfach ins Was­ser. Diese Aktion, die an­geblich drei Stunden dauerte, wird heute in Boston für Touristen nach­ge­spielt.



Nun war die Ladung der englischen Segler gelöscht, aber anders, als der Gouverneur sich das vorge­stellt hatte. Achtzehntausend Pfund in Tee schwammen im Salzwasser vor Griffin‘s Wharf. Die Tea Party hatte al­len Amerikanern Freude gemacht und wurde in anderen Städten nachgefei­ert; im April 1774 zum Beispiel wurde der Spaß in New York City wie­derholt. Indes ver­schärfte die nächtliche Teestunde die Span­nungen zwi­schen Eng­land und seinen nordameri­kanischen Kolonien. Das Par­lament in London verabschiedete eine Reihe von Strafmaßnahmen, die in Amerika als intole­rable acts empfunden wurden. Darun­ter war der Boston Port Bill, mit dem der Hafen von Boston blockiert wurde, um die Bürger der Stadt zu zwin­gen, vor dem bri­ti­schen Gouver­neur stramm- und für den über Bord ge­gan­genen Tee geradezustehen. Doch die dachten natürlich gar nicht daran. Und als die Briten ganz Massachusetts zur Rechenschaft ziehen woll­ten, führte das nur dazu, daß sich die nordamerikani­schen Ko­lonien umso enger gegen die alten Her­ren zu­sammenschlossen. Die Eng­länder hat­ten nicht be­merkt, daß ein neuer Wind in der Welt wehte. Noch im September und Ok­tober 1774 beschlossen fast alle britischen Pro­vinzen in Nordameika einen Boy­kott britischer Waren. Im April des folgenden Jahre kam es zu den ersten Gefechten zwischen Briten und Ameri­kanern. Am 4. Juli 1776 schließlich verabschie­dete der Kontinentalkongreß von dreizehn Staaten die Declara­tion of Independence. Der Ame­ri­kani­sche Unabhän­gig­keitskrieg, der nun losbrach, war nicht zuletzt auch eine Aus­ein­an­dersetzung zwischen einem alten Seereich mit feudalen Han­delsprivi­legien und einer herauf­dämmern­den, in ihrer Art voll­kommen neuen Weltmacht. 1781 mußten die Briten kapitulieren. Der Absprung von Eng­land diente keine zwei Jahrhunderte später noch weiteren Kolonien zur Nachahmung. Die Bo­ston Tea Party zeigt sich im Nachhinein als ent­schei­dender Schritt auf dem Weg zu einem weltumspannenden Handel. Der Kampf für ein freies Amerika war zugleich der Kampf für einen freien Markt.


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