Schulfunk Bayern2Radio, 02. 2001 Manuskript Metropolen der Antike: Alexandria



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Schulfunk Bayern2Radio, 5./7.02.2001
Manuskript
Metropolen der Antike:

Alexandria
Autor: Rüdiger Offergeld

Redaktion: Renate v. Walter



Zitator:


“Da liegt eine Insel im brandenden Meere, Pharos heißt sie, Ägypten grad gegenüber; ... Sie birgt einen Hafen, wohlgeeignet zum Landen.”

Erzählerin:

So steht es in der Odyssee des Homer, in der die Insel Pharos zum ersten Mal erwähnt wird. Lange vor der Gründung der Stadt Alexandria, im Jahre 331 vor Christus, ihr genau gegenüber.




Erzähler:


Homer erzählt in seinen Epen wie Troja belagert wurde und fiel, wie Menelaos, der Bruder des Agamemnon, sieben Jahre mit seiner Frau, der schönen Helena, auf dem Meere umherirrte, bis es sie schließlich auf die Insel Pharos verschlug, wo sie endlich Ruhe vor Verfolgung fanden.

Erzählerin:

Jahrhunderte später betritt Alexander der Große die Weltbühne. Er war von Aristoteles, dem größten Philosophen der damaligen Zeit, in den mythischen Vorstellungswelten Homers erzogen worden. Im Jahre 332 vor Christus befreit er Ägypten kampflos von den Persern. Dabei hat er sicherlich auch an die Irrfahrten des trojanischen Helden gedacht. Zuerst zog er nach Memphis, wo er sich zum neuen Pharao krönen ließ, dann weiter an die Stelle der Mittelmeerküste gegenüber der Insel Pharos, die er aus der Odyssee so gut kannte. Hier gründete er die größte und prachtvollste Stadt der antiken Welt, so als wollte er einer Empfehlung Homers nachkommen. Er gab ihr seinen Namen: Alexandria.




Erzähler:


Alexandria wurde ein Glanzstück griechischer Städtebaukunst auf ägyptischem Boden, eine Stadt, wie aus einem Guss, gestaltet nach dem Willen und der Vorstellung eines schon in der Antike mythenumwobenen Mannes: Alexander, König der Makedonen. Um ihre Entstehung rankt der griechische Philosoph und Historiker Plutarch 300 Jahre später einen wegweisenden Traum Alexanders:
Zitator:

Da hatte er nachts eine wunderbare Erscheinung. Er träumte, ein grauhaariger Mann von sehr würdigem Aussehen trete zu ihm und spreche die folgenden Verse: >Da liegt eine Insel im wogenstürmenden Meere vor des Ägyptos Strome, die Menschen nennen sie Pharos<. So wie er aufgestanden war, begab er sich nach Pharos... Als er da ein außerordentlich günstiges Gelände sah, sagte er, Homer sei außer seinen anderen bewundernswerten Vorzügen auch der beste Baumeister, und befahl den Grundriss der Stadt an dieser Stelle zu entwerfen ...”



Erzählerin:


Bei seinem frühen Tod im Jahre 323,er war nur 33 Jahre alt geworden, hinterließ Alexander ein Reich von bisher unbekannten Ausmaßen. Hier herrschten nun drei Jahrhunderte lang seine griechisch-makedonischen Nachfolger, die Ptolomäer. Ihr Reich umfasste die gesamte antike Welt von Ägypten bis zum westlichen Indien. Eine Welt, in der die griechische Kultur und Sprache dominierte, wir nennen sie die hellenistische.

Erzähler:


Ein riesiger Schmelztiegel griechischer und orientalischer Kulturen. Der große Historiker des 19. Jahrhunderts, Leopold von Ranke, schreibt in seiner “Weltgeschichte”:
Zitator:

“...Durch Alexander verschmolzen die griechischen, ägyptischen, syrischen Götterdienste miteinander. Juden hat er geduldet, denn in ihrer Religion sah er nur eine nationale Institution. Die Perser hat er niedergeworfen, ohne jedoch ihre religiösen Meinungen zu unterdrücken ... Allein noch etwas anderes als den Götterdienst brachte er aus Griechenland mit sich herüber. Was lässt sich Größeres denken? Die Griechen hatten es zu einer idealen Weltanschauung gebracht ..., zu einer alle Richtungen umfassenden Literatur, der ersten, aber doch auch großartigsten, welche jemals hervorgetreten ist. Diesen Ideen eröffnete Alexander den Orient und unterwarf ihn denselben; den Gedanken fügte er die Macht hinzu. Seine Siege sind zugleich Fortschritte der allgemeinen Kultur ...”



Erzählerin:

Gleichsam Symbol dieses kulturellen Fortschritts war die Stadt Alexandria. Selbst Rom, damals Zentrum der Macht im Mittelmeergebiet, stand in seiner Zivilisation und Kultur hinter Alexandria zurück. Als in Rom noch überwiegend Ziegelbauten gebräuchlich waren, prangte die ägyptische Residenz längst in reicher marmorner Pracht.


Erzähler:

Eine sagenhaft reiche Stadt. Diodor, ein Besucher aus den fünfziger Jahren des ersten vorchristlichen Jahrhunderts, ist überwältigt.


Zitator:

Die Stadt ließ mit ihren Palästen, Tempeln, Grünflächen und Parks alle anderen Städte an Schönheit, Größe, Reichtum, Komfort und Luxus weit hinter sich. Sogar einen Zoo und einen botanischen Garten besaß sie. In diesem Zoo waren Löwen, Leoparden, Tiger, Luchse, Büffel, Wildesel, eine Riesenschlange, eine Giraffe und ein Nashorn, ferner Bären, Papageien, Fasane¸ Perlhühner, afrikanische, asiatische, europäische Schafe, Ziegen und Rinder.


Erzählerin:

Der Clou des Botanischen Gartens war ein künstlicher Berg, zu dessen Gipfel ein Weg in Spiralen hinaufführte und an dessen Abhängen seltene Gebirgspflanzen in Felsengärten wuchsen. Von diesem Berg aus hatte man eine prächtige Aussicht über die Stadt, die Häfen, das Meer und auf den berühmten Leuchtturm auf der ihr vorgelagerten Insel Pharos, das aufregendste und faszinierendste Bauwerk Alexandrias.


Erzähler:

Der Leuchtturm galt in der Antike als eines der sieben Weltwunder, ein Meisterwerk der damaligen Bau- und Ingenieurskunst. Zwischen 120 und 140 Meter hoch erhob sich das mehrstufige Bauwerk aus hellem Kalkstein. Ein hellenistischer Mathematiker und Physiker hatte die Leuchtanlage konstruiert. Sie bestand aus einem System von Metallspiegeln, in denen sich bei Tag die Sonne spiegelte, bei Nacht der Schein des Leuchtfeuers aus harzigem Holz.


Erzählerin:

So einmalig die Stadt war, so ungewöhnlich waren ihre Bewohner: Ein buntes Völkergemisch. Hier fanden Menschen aus allen Ländern der hellenistischen Welt eine neue Heimat. Sie kamen aus Makedonien, Griechenland, aus Kleinasien, aus Syrien, Palästina und Arabien, aus Mittelasien und Indien, aus Nordafrika und aus Italien. Und was niemand hätte voraussagen können, geschah: die formende Kraft der griechischen Kultur und Sprache fügte diese zufällig zusammengewürfelten Menschen unterschiedlichster Rassen und Kulturen zu einer Gesellschaft zusammen. In der antiken Welt wurde Alexandria deshalb auch immer als eine griechische Stadt angesehen und niemals ganz zu Ägypten gerechnet. Ihre Bezeichnung in römischer Zeit lautete: “Alexandria bei Ägypten”.


Erzähler:

In den drei Jahrhunderten der Ptolemäer war die Stadt natürlich nicht nur das kulturelle, sondern auch das wirtschaftliche Zentrum der damaligen Welt.

Der Herrscher über Alexandria und das Hinterland Ägypten galt von alters her als der reichste Mann der Welt. Seinen überquellenden Reichtum verdankte er vor allem dem großzügigen Nil, der alljährlich seine Ufer verließ, die Felder überschwemmte, sie mit seinem fruchtbaren Schlamm düngte und so für üppige Ernten sorgte.
Erzählerin:

Die ptolemäische Wirtschaft beruhte auf einem perfekt durchorganisierten System. Wie beispielsweise der Münzhandel funktionierte, lässt sich sehr schön an einem Brief aus dem Jahre 258 vor Christus zeigen. Geschrieben hat ihn Demetrios, der vermutlich für die Münzstätte in Alexandria zuständig war, an Apollonius, den “dioiketes”(spr.: diéuketes) also den Finanzminister des Ptolemäus II.


Zitator:

“Ich kümmere mich um das, was du mir aufgetragen hast: Ich habe 57.000 Stückgold erhalten, das ich zu Münzen schlug und zurückgab. Denn – wie ich dir bereits schrieb – die Fremden, die mit dem Schiff hier eintreffen, die Kaufleute, die Händler und andere, bringen uns sowohl ihr heimisches Geld aus unvermischtem Metall als auch die goldenen Pentadrachmen, um daraus, gemäß dem Erlass, der uns zur Entgegennahme verpflichtet, neues Geld für sie prägen zu lassen ... Ich halte es für einen Vorteil, wenn soviel Geld als möglich aus dem Ausland eingeführt wird ...”


Erzählerin:

Das glaubt man gern. Die Ptolemäer zwangen demnach nämlich die ausländischen Händler beim Betreten ägyptischen Bodens ihr Geld umzuwechseln. So entwickelten sie in ihrem Machtbereich ein geschlossenes monetäres System, in dem fremde Währungen ausgeschlossen waren. Und nicht nur das.


Erzähler:

Beim Umtausch erhielten die Kaufleute ptolemäische Münzen, die nach einem leichteren Münzfuß geschlagen – also weniger wert - waren als jene, die sich anderswo im hellenistischen Bereich im Umlauf befanden. Modern ausgedrückt: Die Ptolemäer manipulierten die Währungen zu ihren Gunsten, in dem sie für Münzen mit hohem Gehalt an Gold und Silber, solche mit erheblich niedrigerem ausgaben. Kein Wunder, dass die Schatzkammern des Königs überquollen von Gold, Silber und anderen Edelmetallen.


Erzählerin:

Das Instrument für dieses erfolgreiche Wirtschaften war eine effiziente Bürokratie. Die Verwaltung der Ptolemäer konnte auf dem pharaonischen System aufbauen, das das Land in vierzig “nómoi”, Gaue, aufgeteilt hatte. Darauf pfropften sie nun ein komplexes Geflecht von örtlichen Finanzämtern, die von Beamten, den “oikónomoi”, geleitet wurden und dem “dioiketes”, dem Finanzminister, in Alexandria verantwortlich waren. Die Vorsteher dieser örtlichen Finanzämter hatten die schwierige Aufgabe, einerseits Steuern einzutreiben und andererseits die Bauern und Handwerker bei guter Arbeitslaune zu halten. In einer Art “Dienstanweisung” aus dieser Zeit heißt es:


Zitator:

“Bemühe dich bei den Inspektionsreisen an jedem Ort, an den du hingelangst, darum, alle Leute aufzumuntern und sie in bessere Stimmung zu versetzen ... Du hast es als eine von deinen unabdinglichsten Pflichten anzusehen, darauf zu achten, dass im Gau jene Getreidesorte ausgesät wird, die laut Anweisung vorgeschrieben ist. Sollten irgendwelche Leute wegen ihrer Abgaben unter starken Druck gesetzt oder völlig ausgesaugt werden, dann darfst du das nicht ohne Untersuchung durchgehen lassen.”


Erzähler:

Über das fiskalische und wirtschaftliche Alltagsleben Alexandriens geben eine Fülle von zeitgenössischen Papyri Auskunft: Zahlungsanweisungen, Quittungen, Verträge, Kostenvoranschläge. Wir lesen von einer fünfprozentigen Steuer auf Hausmieten, von einer zehnprozentigen auf Verkaufserlöse, von einer 33 1/3 prozentigen auf Weinberge und Obstanbau, dazu von Abgaben auf Wolle und Leinen, auf Vieh und Sklaven. Wir lesen von staatlichen Monopolen über Bergwerke und Steinbrüche, über die Salzgewinnung sowie die Herstellung von Leinen und Papyrus und schließlich auch über das Bier, das Nationalgetränk der Ägypter.


Erzählerin:

Es boomte aber nicht nur die Wirtschaft. Der berühmte Leuchtturm von Alexandria war keineswegs nur Peilzeichen für die Schifffahrt – Geographen benutzten ihn zum Messen der Schattenlängen, mit denen sie Landvermessungen vornahmen, und die Astronomen beobachteten von seiner Spitze aus den Sternenhimmel.



Erzähler:


In keinem anderen kulturellen Brennpunkt der hellenistischen Welt spielten die Wissenschaften eine derart prominente Rolle wie in Alexandria zu dieser Zeit. Dagegen verblasste selbst das so gerühmte geistige Leben in Athen. Alexanders Nachfolger förderten die Natur- und Geisteswissenschaften in einer vorher nie gekannten Weise, indem sie jeden in ihre Stadt zu berufen versuchten, der wissenschaftlichen Rang und Namen hatte.

Erzählerin:


Mittelpunkt dieser Gelehrsamkeit war das berühmte “musēion”. Modern ausgedrückt ein riesiges Forschungsinstitut für die literarischen, mathematischen und physikalischen, vor allem aber auch für die medizinischen Wissenschaften. Ihm eng verbunden war die nicht weniger berühmte Bibliothek. Unsummen wurden ausgegeben, um Bücher von überallher anzukaufen. Zuletzt besaß die Bibliothek 500.000 Schriftrollen und vereinte das gesamte Wissen der hellenistischen Welt.

Erzähler:


In dieser Bibliothek wurde zum Beispiel Homers Ilias in die noch heute gültigen 24 Gesänge eingeteilt. Hier arbeiteten jüdische Gelehrte aus Jerusalem an der Septuaginta, der Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische, an die später die Schriftsteller des Neuen Testaments anknüpfen konnten. Ein Brand im Kampf Caesars gegen seinen Rivalen Pompeius, der in und um Alexandria ausgefochten wurde, hat sie zum größten Teil zerstört.

Erzählerin:


Am 1. Oktober des Jahres 48 vor Christus war Caesar mit dem Ziel in Alexandria gelandet, Pompeius auf ägyptischem Boden im Gerangel um die Macht in Rom entscheidend zu besiegen. An diesem Tag hat nun eine ungewöhnliche Frau ihren glanzvollen Auftritt auf der Bühne der Weltgeschichte: Kleopatra.

Erzähler:


Es gab zahlreiche Frauen dieses Namens, aber fast jeder denkt dabei nur an eine: Kleopatra VII., Königin von Ägypten. Bei einigen erweckt ihr Name das Bild einer bedeutenden Herrscherin, Königin der Könige, bei anderen, das der leidenschaftlichen Liebhaberin Caesars und später Marc Antonius‘. Römische Dichter wie Horaz in seinen Oden und Vergil in seinem Epos “Aeneis” sehen in ihr die männermordende Bestie, die sittenlose Dirne, die Ehebrecherin, die wahnsinnige Verschwenderin. Was auch immer: Kleopatra wurde Caesars Frau. Er nahm sie mit nach Rom. Ein Skandal für das römische Bürgertum! Die Münchner Ägyptologin Martina Ullmann:

ZUSPIELUNG (Ullmann):


Da kommt die ägyptische Königin nach Rom als Geliebte, Freundin Caesars, des römischen Konsuls, Imperators, lebt in dessen Haus. Und es wurde auch als politische Gefahr begriffen. Rom war eine Republik. Und nun geht Caesar diese Verbindung ein mit einer orientalischen Monarchin, die man begriffen hat als Despotin schlechthin. Der ganze Luxus, die ganze Prachtentfaltung, die Art wie im ganzen Orient und auch in Ägypten geherrscht wurde, stand römisch-republikanischem Denken völlig entgegen.

Erzählerin:

Es gibt noch einen Grund, warum Kleopatra bei den Römern verhasst war.




ZUSPIELUNG (Ullmann):


Sie war eine Frau. Es war für die griechische Welt schon ungewöhnlich die Stellung, die die Ptolemäerinnen in Ägypten hatten, für die Griechen war das ungewöhnlich, für die Römer dann sowieso, weswegen man dann auch so harsch reagiert hat, von Rom aus. Es war aber nicht so ungewöhnlich im ägyptischen Denken. Von Ägypten her war die Stellung der Frau eine relativ gleichberechtigte. Nicht gleichberechtigt in unserem heutigen Sinne. Aber es war im Verhältnis zu den umliegenden Kulturen eine sehr gute Stellung, und in den wesentlichen Punkten gleichgestellt, was die wirtschaftlichen oder die juristischen Aspekte anbetrifft, da gab es keine Unterschiede zwischen Frau und Mann.

Erzähler:


Nach der Ermordung Caesars erlag ein weiterer bedeutender römischer Feldherr ihren Reizen: Marcus Antonius. In seinem Drama “The Life of Anthony and Cleopatra” schildert Shakespeare die erste Begegnung der beiden. Auf dem Fluss Cydnus nähert sie sich ihm in einer Barke. Ihr Reichtum und ihre Schönheit lässt sie ihm wie ein Geschöpf von einem anderen Stern erscheinen.

Zitator:


“Ihr Sitz die Barke, glänzte wie ein Thron.

Das Heck, getriebenes Gold, glühte im Wasser.

Purpur die Segel, duftend, dass der Wind

Vor Liebe krank wurde. Die Silberruder,

Die zu der Flöten Ton das Wasser schlugen,

Zogen sie schneller nach, als wär’s verliebt

In ihren Schlag. – Doch davor wie sie selbst war,

Wird jedes Wort zum Bettler: Sie lag da

In ihrem Zelt aus golddurchwirkter Seide,

Schöner als jedes Venusbild, in dem

Natur der Phantasie erliegt. Zur Seite,

Mit holden Grübchen lächelnd wie Cupidos,

Knaben mit bunten Fächern, deren Wind

Die zarten Wangen zu entfachen schien,



Die sie doch kühlten, zündend, statt zu löschen.”

Erzähler:


Es ging nicht gut aus mit ihnen und ihrer Liebe – und auch mit Ägypten und Alexandria nicht.

Erzähler:


Im Jahre 30 vor Christus fiel ganz Ägypten mit Alexandria endgültig an Rom. Aus einer einstmals griechischen Stadt wurde nun eine römische. Zwei Welten stießen aufeinander. Die Römer dachten und fühlten völlig anders als die Menschen in Alexandria und in der übrigen hellenistischen Welt. Rom war ein hochmilitarisierter Staat. Die Wertvorstellungen der herrschenden Adelsschicht waren eng mit militärischen Leistungen verbunden, nicht jedoch mit Kunst und Wissenschaft. Der männliche Mut hatte sich im Dienst am Vaterland (patria) zu beweisen, in dem man ein hohes politisches und militärisches Amt bekleidete und erfolgreich Krieg führte. Der Ruhm (gloria) war der Lohn für diese männlichen Tugenden. Und dennoch – oder gerade deshalb – übte die orientalische Prachtentfaltung Alexandrias eine magische Anziehungskraft auf die Römer aus.

Erzählerin:

Im 1. Jahrhundert nach der Zeitenwende war Alexandria nun zwar die zweitgrößte Stadt des römischen Reiches, doch begann damals ihr allmählicher Verfall. Die Auseinandersetzungen des eindringenden Christentums mit den alten heidnischen Religionen führte zu blutigen Kämpfen, die Kaiser Theodosius erst 389 nach Christus beendete, als er die christliche Lehre auch dort zur Staatsreligion erhob. Danach rappelte sich Alexandria noch einmal auf und wurde zu einer der bedeutendsten Städte des frühen Christentums - doch im Jahre 642 fand auch diese historische Epoche ein Ende. Die Araber übernahmen die Stadt.

Erzähler:


So ist nur die Erinnerung geblieben an eine der schönsten Städte der griechischen und römischen Antike.
© Bayerischer Rundfunk 2001


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