Kurzbeschreibung



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... der werfe den ersten Stein!
Künstlerische Installation im öffentlichen Raum von Wolfgang Keller


Kurzbeschreibung
Die Installation „... der werfe den ersten Stein!“ thematisiert als Kunstwerk den Kontext zwischen (kollektiver) Gewaltausübung und (individueller) Gewaltbereitschaft. In diesem Zusammenhang nimmt sie beispielhaft bezug auf das System des Nationalsozialismus als für unseren Kulturraum prägendes Ereignis (cultural identifier): „Die Fokussierung der öffentlichen Diskussion auf die Person Adolf Hitlers, auf den charismatischen Führerstaat, auf das totalitäre System, hat das Ausmaß der – im einzelnen sehr differenzierten – Involvierung breiter gesellschaftlicher Schichten in den Nationalsozialismus zugedeckt; insbesondere die Verführbarkeit des Einzelnen, die eine Voraussetzung für das Funktionieren eines solchen Systems war, ist in der Öffentlichkeit nicht genügend bewusst.“ (Prof. Dr. Wolfgang Neugebauer, Leiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes)
Die Arbeit wird in mehreren europäischen Städten, jeweils für die Dauer von 3 – 4 Wochen präsentiert. Sie besteht aus einem 6 x 3 x 4 Meter großen Glashaus mit Holzboden, das im hinteren Bereich von zwei Seiten betreten werden kann. Der gegenüberliegenden Fassade ist eine hölzerne Wand vorgelagert, die – ähnlich einem Bauzaun – die Einsicht von außen verdeckt. Im Bereich zwischen diesem Zaun und dem Glashaus ist die Reproduktion eines Porträts von Adolf Hitler1 hinter Spezialglas montiert. Dadurch wirkt das Bild durchsichtig und reflektierend. Durch zusätz-liche Spiegelungseffekte der Glaswände entsteht für den/die Betrachter/in ein bemerkenswerter optischer Eindruck, der das eigene Bild gleichzeitig vor, hinter und auf den Kopf Hitlers projiziert. Ob und in welcher Beziehung dazu man sich selbst sieht, entscheidet der individuelle Fokus.
Das Publikum wird somit eingeladen, Fragen der Eigenverantwortung in Zusammenhang mit totalitären Phänomenen wie auch die Aktualität von Ausgrenzung und Intoleranz zu reflektieren. Die Installation wird durchgehend von geeigneten Personen betreut, die den BesucherInnen für Gespräche und Diskussionen zur Verfügung stehen.
Die Präsentation der künstlerischen Arbeit wird von einem wissenschaftlichen Symposium begleitet. Dabei sollen neben zeithistorischen Fragen vor allem aktuelle Erscheinungsformen totalitärer Phänomene sowie Gewaltbereitschaft, De-Solidarisierung und Intoleranz in der heutigen Gesellschaft diskutiert werden.

... der werfe den ersten Stein!


Künstlerische Installation im öffentlichen Raum von Wolfgang Keller


Termine
Ausstellungsdauer Samstag, 6. Mai – Sonntag, 4. Juni 2000
Eröffnung Samstag, 6. Mai 2000, 19:00 Uhr
Symposium Freitag, 12. Mai 2000, 18:00 – 21:00 Uhr

Samstag, 13. Mai 2000, 10:00 – 13:00 Uhr

Samstag, 13. Mai 2000, 15:00 – 18:00 Uhr
Ort
Installation Wien Innere Stadt, Stephansplatz

(Lage: über dem Grundriss der Magdalenenkapelle / Virgilkapelle)


Eröffnung Club Stephansplatz 4

1010 Wien, Stephansplatz 4


Symposium Haas Haus, Steffl-Erker (4. Stock)

1010 Wien, Stephansplatz


... der werfe den ersten Stein!


Künstlerische Installation im öffentlichen Raum von Wolfgang Keller

Wolfgang Keller - Künstlerische Biographie
geb. 27. Januar 1946 in München-Pasing

Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart 1756

Befreiung von Auschwitz 1945

Waffenstillstandsabkommen USA – Vietnam 1973


Ausgebildet als Schriftsetzer, Grafikdesigner, Werbefachmann, Sozialpädagoge und Grundschullehrer, darüber hinaus tätig als Autor, Regisseur, Schauspieler, Schreinergehilfe, Betriebsrat, Verlagsgrafiker und Redakteur
Seit Sommer 1994 freiberuflich als Künstler tätig


  1. Advent in München – Winter in Sarajevo

Eine 250 m Zeltinstallation mit bosnischer Kunst neben dem Münchner Rathaus, für die im 3. Kriegswinter eingekesselten Menschen in Sarajevo, dazu Konzept und Organisation eines 4-wöchigen Kulturprogrammes mit mehr als 30 Münchner und über 20 Sarajelischen KünstlerInnen
1995 GameBeuys

Erste Indoor-Installation, Kempinski-Hotel Vier Jahreszeiten, München


Beteiligung an der Ausstellung Luxus, Kunstpavillon Alter Botanischer Garten, München
1996 Eröffnung von KellerGalerie und Werkstatt am Englischen Garten, München
Außengestaltung Betriebskindergarten der Verlagsgruppe Bertelsmann, München
For Heavenly Peace – Four Heavy Pieces From Sarajevo

Installation im Europaparlament Straßburg, vierwöchige Verlängerung erbeten vom Europarat

1997 „ ...der werfe den ersten Stein!“

Entwicklung und Ausarbeitung der Installation in München, Berlin und Wien


1998 Erstaufstellung der Installation hinter dem Königsplatz in München, Klosterhof St. Bonifaz
Werkschau – Schauwerk

Gemeinschaftsausstellung mit Christopher Lewis, Kunstpark Ost, München


1999 FreiNacht

Erste Einzelausstellung, Galerie Drächslhaus, München


Say what you don´t say (with Mouthclick)

Deutsches Generalkonsulat New York, Gastkünstler von Christopher Lewis

... der werfe den ersten Stein!
Künstlerische Installation im öffentlichen Raum von Wolfgang Keller

Architektur

Dipl.-Ing. Architekt Oliver Wilhelm, München



Projektentwicklung und -koordination

Jutta Stute, Chemnitz



Ausstellungsplan der Installation

März 1998, Kloster St. Bonifaz, Königsplatz/München (Erstaufstellung)

Mai/Juni 2000, Wien

Jänner 2001, Deutscher Bundestag, Berlin

Weitere Aufstellungen in Prag, Warschau und Paris sind in Vorbereitung
Schirmherrin

Bundestagspräsidentin a.D. Prof. Dr. Rita Süssmuth


Projektträger und Organisation Wien

Arche – Plattform für Interkulturelle Projekte

1030 Wien, Gerlgasse 3/22

Kontaktpersonen: Dipl.-Ing. Bernhard Schneider,

Dr. Eleonore Lappin

Tel.: 01-606 72 16 Fax: 01-606 72 16-1

E-mail: arche@arche.or.at

Bankverbindung: ÖVAG Wien, BLZ 40.000, Kto.Nr. 403 44444 001

... der werfe den ersten Stein!


Künstlerische Installation im öffentlichen Raum von Wolfgang Keller


Rahmenprogramm: „(Dis-)Kontinuitäten in gegenwärtigen Diskursen über den Nationalsozialismus“ (Symposium)
Anlässlich der öffentlichen Ausstellung der Installation „... der werfe den ersten Stein!“ in Wien vom 7. Mai – 4. Juni 2000 und unter Bezugnahme auf den österreichischen Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus (5. Mai) veranstaltet der Verein ARCHE – Plattform für Interkulturelle Projekte eine Eröffnungsveranstaltung sowie ein dreiteiliges wissenschaftliches Symposium.
Ausgangspunkt
Antisemitische, rassistische und fremdenfeindliche Aussagen und Maßnahmen sowie politische bzw. gesellschaftliche Entwicklungen werden immer wieder unter Bezugnahme auf den Nationalsozialismus als dem äußersten Referenzpunkt verbrecherischen Denkens und Handelns bewertet. Im Diskurs nach 1945, wie der Nationalsozialismus überhaupt möglich war, folgte auf die des peinlich-trotzigen Schweigens und des kompletten Abschiebens der Verantwortung auf „Hitler und seine Helfer“ mit den 68ern eine Differenzierung als „Kritik der Elterngeneration“. Seither laufen beide Diskussionsstränge mit wechselnder Intensität parallel, es gibt auch viele Ansätze, beide zusammenzuführen. Eine dritte Art, sich auf das Thema zu beziehen, könnte Verantwortung als Möglichkeit sein, und zwar für alle Menschen, egal wann und wo se geboren sind.

„ ...der werfe den ersten Stein!“ macht alle drei Ebenen sicht-, vor allem aber erlebbar: Führerportrait, Spiegelung des Betrachters und Spiegelung der Spiegelung vor, hinter und auf dem Abbild. Das optische Kaleidoskop fungiert als Sinnen-Bild für die möglichen hinEin-Sichten.

Die Veranstaltungen des Rahmenprogramms thematisieren nicht die Person Hitlers bzw. deren und die von ihr beeinflusste Geschichte, sondern die aktuelle Wirksamkeit von Strukturen und Verhaltensmustern, die auf Interpretationen des „Hitlerbildes“ als Determinante (cultural identifier) eines Wertesystems basieren:


  • Die Präsenz dieser Determinante in gegenwärtigen Sprach- und Denkstrukturen im Blick auf den Diskurs über Nationalsozialismus, Neonazismus und faschistoide Tendenzen;

  • Zusammenhänge zwischen Zuordnungen von Schuld bzw. Verantwortlichkeit respektive Distanzierung und der verabsolutierten Dimension des „Bösen“; Problematik der Relativierung sowie der Differenzierung in Bezug auf Vergleiche zwischen Nationalsozialismus und Neonazismus;

  • Zusammenhänge zwischen Wertesystemen und deren Legitimierung zufolge der Definition von „gut“ und „böse“ in Verbindung mit der Einführung „absoluter“ Maßstäbe; Parallelität von Immanenz und Ausschluss des „Bösen“: Diskrepanz zwischen der Verurteilung des Nationalsozialismus und der gleichzeitig ablaufenden gesellschaftlichen Integration seiner Protagonisten nach 1945.

... der werfe den ersten Stein!


Künstlerische Installation im öffentlichen Raum von Wolfgang Keller


Programm
Eröffnung Samstag, 6. Mai 2000, 19:00 – 21:30 Uhr
19:00 Uhr Begrüßung

Dr. Richard Schmitz, Bezirksvorsteher der Inneren Stadt

Frau Wiltrud Holik, Botschafterin der BR Deutschland

Podiumsgespräch

Univ. Prof. Dr. Ruth Wodak

Dr. Anna Mitgutsch

Dipl.-Ing. Jan Tabor

Wolfgang Keller

Moderation: Dr. Peter Huemer

Anschließend Eröffnung der Installation


Symposium Freitag, 12. Mai 2000, 18:00 – 21:00 Uhr
18:00 Uhr Prof. Dr. Wolfgang Neugebauer / DÖW Wien

Zur Problematik der NS-Vergangenheit in Österreich


18:45 Uhr Dr. Christian Schneider / Sigmund Freud Institut Frankfurt

Die unendliche Geschichte. Von der Gegenwart der Vergangenheit beim



Nachdenken über die Zukunft demokratischer Gesellschaften
19:30 Uhr Podiumsdiskussion mit den Referenten
Samstag, 13. Mai 2000, 10:00 – 13:00 Uhr
10:00 Uhr Mag. Josef Prinz / Evangelischer Pfarrer, Linz

Gott und das Böse“: Biblisch-theologisches Aufbegehren gegen die Macht des Verdrängens


10:45 Uhr Ao. Univ. Prof. Dr. Gerhard Bodendorfer /Theologe, Universität Salzburg

Schuld und Sühne?! Die katholische Kirche und ihr schwieriger Umgang



mit der Shoa
11:30 Uhr Podiumsdiskussion mit den Referenten
Samstag, 13. Mai 2000, 15:00 – 18:00 Uhr
15:00 Uhr Dr. Lars Rensmann / Politikwissenschafter, FU Berlin

Politisch-psychologische Nachwirkungen des Nationalsozialismus in der



Gegenwart: Zur Dialektik von neueren Vergangenheitsdiskursen und gesellschaftlichen Einstellungen gegenüber dem Holocaust in Deutschland
15:45 Uhr Dr. Margit Reiter / Historikerin, Wien

Tischgespräche“ intergenerationelle Kommunikation über den Nationalsozialismus in familiären und gesellschaftlich Kontext in Österreich



16:30 Uhr Podiumsdiskussion mit den ReferentInnen

1 Nach einem Druck des offiziellen Propagandagemäldes anlässlich der olympischen Spiele in Berlin (1936).


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