Deutschlandrundfahrt 17. 12. 2005 Das Bergabenteuer und das Jesuskind



Download 94.67 Kb.
Date conversion13.05.2016
Size94.67 Kb.


Deutschlandrundfahrt 17.12.2005

Das Bergabenteuer und das Jesuskind

Von Oberstorf im Allgäu ins Kleinwalsertal


Von Paul Stänner

Regie Jingle und Kennungsmusik

Oton Alpleben ist etwas Schönes. d.h. sie genießen die Ruhe und die Liebe in den Bergen, dem Wild zusehen zu können, der Natur zusehen zu können, das ist etwas Besonderes, das kann man nicht erklären.

Regie Kennungsmusik

Oton Okay – dann probieren wir’s mal. Auf geht’s! So wir nehmen aber die Hände dazu zum Klettern, nicht zum Seil halten – jawohl Stefan, geht alles - habt ihr alles im griff ja? - Mädchen: absichern

Regie Kennungsmusik

Oton Da hat der Vater gesagt, Du gehst gar nicht mehr, entweder du glaubt uns oder du gehst überhaupt nicht mehr auf die Jagd bei uns – fertig. Dein ganzes Geld spielt uns keine Rolle, du schießt das, was wir sagen und nicht das, was du willst.
Regie Kennungsmusik

Oton im Walserdialekt: Die Kinder bauen Kleintiere für die Krippe...

Regie Kennungsmusik

Spr. v. Dienst



Das Bergabenteuer und das Jesuskind

Von Oberstdorf ins Kleinwalsertal

Eine Deutschlandrundfahrt mit Paul Stänner

Autor Oberstdorf im Allgäu lebt vom Tourismus. Im Sommer sieht man die Rentner in der Stadt, die die Ebene genießen, und in den Sportgeschäften die Bergwanderer, die ihre Ausrüstung komplettieren. Von hier aus ziehen sie auf die umliegenden Hütten auf den Bergkämmen der Alpen. Oberstdorf ist das Einfallstor in eine Besonderheit der europäischen Geschichte, ins Kleinwalsertal. Seit 1453 gehört das Kleinwalsertal zu Österreich, von dem es aber durch hohe Berge getrennt ist. Weil das Tal deshalb nur über Deutschland, über die heutige Bundesstraße 19, zu erreichen ist, besteht seit 1891 ein Zollanschlussvertrag. Die Kleinwalsertaler sind also Österreicher, aber dem deutschen Wirtschaftsgebiet angeschlossen. Die Orte Riezlern, Hirschegg, Mittelberg und Baad haben sowohl eine deutsche als auch eine österreichische Postleitzahl, haben deutsche und österreichische Bankleitzahlen und bis vor kurzem hatten sie auch noch deutsche und österreichische Vorwahlen im Telefonnetz. Dann kam ihnen die deutsche Vorwahl abhanden – was wirtschaftlich einen großen Nachteil bedeutet, weil Telefonate aus Deutschland ins Kleinwalsertal nun Auslandsgespräche sind. Der größte Teil der Touristen kommt aber aus Deutschland.

Regie Musik als Trennung, Pirchner, Streichquartett für Bläserquartett

Autor Stefan und ich haben uns bei einer Bergschule angemeldet, die mit uns ein sogenanntes „Bergabenteuer“ durchführen will. Stefan ist mein Freund und Wanderkumpel, wir vermuten, dass wir hier richtig sind. „Bergabenteuer“, das sind verschiedene sportliche Aktionen, die man eben nur in den Bergen durchführen kann – Klettern, Schluchten überqueren, abseilen und dergleichen, verbunden durch längere Fußmärsche.


Regie Musik frei und weg
Autor Eine Schlucht im Wald. Dicht reichen schwere Bäume bis an den Rand, man kann sich gut festhalten, wenn man einen Blick nach unten riskiert. Es zeigt sich, dass der Bach fünfzehn bis achtzehn Meter unter uns nur ein paar Tropfen Wasser führt und so den Blick auf die massiven, runden, moosüberwachsenen Felsbrocken freigibt. Noch kein Problem.
Oton Ja, das ist das richtige Expertenteam, da haben wir gewartet.(lacht) So, viel Spass ihr zwei. Autor im Oton: Und der Baum hier wird regelmäßig überprüft? Der Baum knirscht schon so – Das ist das seil, was knirscht – Das beruhigt mich jetzt – Das Seil hält locker eineinhalb Tonnen aus, und das Seil oben ist ja nur das Seil zum Laufen, dass Tragseil ist das da, das sind zwei Seile, wobei es spezielle Lastenseile sind, da kannst einen VW-Bus anhängen , locker... (immer wieder Geräusch von der Ausrüstung)-
Autor Eine Schlucht überquert man, indem man zwei Seile spannt, eines oben, eines unten. Am oberen hält man sich fest und dann betritt man vorsichtig das untere Seil. Soweit die Theorie, ist ja auch ganz übersichtlich. Ich werde mit einem dritten Seil gesichert und betrete zum ersten Mal in meinem Leben eine Seilbrücke. Links von mir geht Stefan.
Oton Autor im Oton: Gut, was müssen wir machen, worauf kommt es an? – Schaut einfach, dass ihr schön grad zwischen den beiden Seilen steht und das Seil immer schön mittig im Schuh habt, und am leichtesten wenn ihr die Schuhe immer am Seil lasst - Gut, ja - Trainer: Okay, bist du gesichert.
Autor Schritt für Schritt schiebe ich mich auf die Schlucht hinaus. Schritt für Schritt, kein Problem. Dann passiert etwas, womit ich nicht gerechnet habe: Das elastische Seil gibt unter meinem Gewicht - Mann mit Rucksack - nach und schwingt nach unten, Richtung Felsengrund und Knochenbruch. Das obere Seil entschwindet. Für eine Schrecksekunde bin ich mir nicht sicher, ob ich groß genug bin für Hände-oben-am-Seil und Füße-unten-auf-dem-Seil.
Oton Autor im Oton: Um ehrlich zu sein, mein Adrenalinspiegel wird ja jetzt schon zum Hohlspiegel - Trainer: Und schön gleichmäßig gehen – Stefan: Und den Blick nach unten - Autor: Nein möglichst nicht – Wenn du das Risiko magst, dann den Blick nach unten – Autor: (stöhnen) Iii, ist das unangenehm, wenn das so sackt - Vor allem, wenn es schaukelt – Ja, das bist du, der schaukelt, ich halt mich ganz gerade – Ein bisschen Nervenkitzel muss ja sein, von daher mal einen Blick in die Kamera - Du schreckst ja vor nichts zurück – (schweres Atmen) – Trainer: Das Ziel kommt immer näher – (schweres Atmen) - So nach hinten weg steigen - Hu! Autor: Meine Güte – Trainer: Nach hinten weg hinter den Bäumen rüber – (schweres Atmen) – Atmo mit Regen und jungen Leuten
Autor (schon über den letzten Rest vom Oton) Ein Foto zeigt, dass Stefan und ich uns in sehr unterschiedlichen Stimmungslagen befinden. Beide tragen wir Berghelme in leuchtenden Farben, mit denen man aussieht wie ein playmobil-Männchen. Stefan gibt mit leuchtenden Augen und breitem Grinsen die Optimisten-Variante, während ich mit heruntergezogenen Mundwinkeln und verkniffenem Blick auf die Talsohle den Pessimisten vorführe. Auf dem letzten Meter bin ich so verkrampft, dass ich Mühe habe, einen ordentlichen Abgang vom Seil hinzulegen – noch ein paar Sekunden lang zittern mir die Hände, flattert die Atmung.
Regie Musik, Önscha, Alphorn

Autor Die Geschichte des Kleinwalsertals beginnt um 1313. Damals schlossen sechs Walserfamilien mit den Landesherren einen Erbleihvertrag. Bis dahin war das Walsertal ein unbewohntes Jagdgebiet. Jetzt zogen mehrere Familien aus dem schweizerischen Wallis über die Pässe in das Kleinwalsertal. Sie wollten wirtschaftlicher Not und politischen Streitigkeiten entkommen. Die Landesherren boten, um den Walsern die harte Arbeit der Urbarmachung und Besieldung attraktiv zu gestalten, für die damalige Zeit großzügige Rechte: Erbleihvertrag, geringe Pacht, persönliche Freiheit. Und davon hatten sie Gewinn, denn die Walser waren Spezialisten, die noch in Höhenlagen Viehwirtschaft treiben konnten, in denen andere aufgaben. Geblieben bis heute sind Eigenarten wie die typischen Walserhäuser, die Mundart und die zähe Beharrlichkeit.


Regie Musik wieder hoch

Regie Atmo von der Bergwand, viele Leute reden, Zurufe

Autor Die zweite Station in unserem „Bergabenteuer“ ist eine Kletterwand. Stefan ist am Vortag noch den Berlin-Marathon gelaufen. Er hat gegen Unlust und Muskelschmerzen ankämpfen müssen. Entsprechend unrund sind seine Bewegungen am Tag danach.
Oton Ich bin der Charlie, diese Wand ist ungefähr 10 m hoch und der Zweck dabei, ein bissle mal zeigen, wie man mit Klettern umgeht.

Autor Charlie von der Bergschule, der von dem Marathon nichts weiß, sieht Stefan mit schweren Füßen und steifer Hüfte heranschlurfen. Er fragt sich, warum ausgerechnet ein Schwerbehinderter aus der 80%-Kategorie in eine Kletterschule muss. Sagt aber nichts. Stefan schaut die Wand hinauf, er will sich an diesem stummen Gedankengang nicht beteiligen. Sein Rücken tut weh.


Oton Was ganz interessant ist dabei das Teamwork miteinander, einfach, es müssen zwei sichern, einer klettert immer, das ist ganz wichtig dabei, dass sie mal ein bissle umgehen miteinander, das richtige Umgehen normal auch, gell (Abblende im Hintergrund entfernt sich Moped)

Oton Atmo unterlegen

Autor Die Felswand steigt zehn Meter senkrecht hoch, oben wird sie gekrönt von Büschen und Bäumen. Am Fuß der Wand hantieren ungefähr zwanzig junge Leute, die allesamt lustige, bunte Plastikhelme tragen, mit Seilen oder sie sind noch dabei, sich in ihr Hüftgeschirr einzuzwängen. Eine zweite Garnitur liegt wie ein Schulterhalfter am Oberkörper. An diesen beiden Bandagen wird das Sicherungsseil eingehakt. Stefan steht gut verschnürt am Fuß der Wand.
Oton Gut, du bist eingebunden, Helm auf , passt, hat Luft, wo möchtest du hochklettern, Stefan? Du machst überall, dann machen wir da, wo die Dame hochgegangen ist, da siehts gut aus.

Autor Stefan wird angeseilt, trotz Muskelkaters und steifer Hüfte. Der Ausbilder will Stefan eine Freude machen und stellt zwei junge Damen zur Sicherung ans Seil. Die vordere hat ein hübsches Gesicht, das immer so aussieht, als liege ein Lächeln in ihren Mundwinkeln. Die andere steht hinter ihr und lächelt nicht. Stefan sieht sich den Berg an, ich vermute, er wählt die leichtere Route, die Damenroute.


Oton Stefan: ne, ich glaube, es ist die längste Strecke. Schön festhalten , ich bin wertvoll – ok. – Gell, die jungen Damen, gell Stefan – hab ich am liebsten – großes Vertrauen in die Damen, die zeigen dir, wo der Bartel den Most holt, das sag ich dir aber jetzt.
Regie Musik, Pirchner, Streichquartett für Bläserquartett
Autor Die jungen Frauen, die Stefan und seine Familie vor dem Unglück bewahren sollen, gehören zu einer Gruppe von Auszubildenden bei Daimler Chrysler. Alfred Uhlmann ist der Leiter der Gruppe. Auch er trägt Helm und Gurtzeug, Vorbild sein gehört zu seiner Arbeitsplatzbeschreibung.
Oton Wir haben in der Daimler-Chrysler AG schon seit den 50er Jahren schon das Konzept der sozialpädagogischen Lehrgänge, innerhalb dieser sozialpädagogischen Lehrgänge versuchen wir Themen wie Kommunikation, Kooperation, Teamfähigkeit bei den jungen Leuten heranzubilden, die sind unabdingbar und notwendig in einer Firma wie der unseren und dazu gehen wir auch, wie jetzt hier, in die Berge, um eben in einer Hütte zusammenzuleben, so die Tätigkeiten zu teilen, aber auch, völlig neue Erfahrungen zu sammeln wie jetzt mit dem Bergabenteuer hier.
Autor Wie misst man die Erfolge einer solchen Aktion von einer Woche Dauer?
Oton Ja, das ist wie bei all diesen Dingen schlecht zu messen, es ist schon ab und zu vorgekommen, dass die Berufsschullehrer, die ja nicht an der Maßnahme teilnehmen, sehr deutlich festgestellt haben, dass die Gruppe einen anderen Zusammenhalt hatte und auch eine andere Formation.

Autor Und ermöglicht eine solche Erfahrung, sich besser in Gruppen und Arbeitsteams einzufügen, weil sie gelernt haben, sich gegenseitig wahrzunehmen und auf einander zu reagieren?


Oton Mit Sicherheit, weil sie sagen, wir mal Themen wie Vorbereitung auf Gruppenarbeit, die mit ihnen gemacht werden während dieses Lehrgangs, eigentlich kennen lernen und dann die Gruppenarbeitsstrukturen, die im Werk herrschen oder ähnliche Dinge kennen lernen und dort nicht unvorbereitet reinkommen, sondern ganz klare Informationen haben, wie baut sich so was auf und wie ist man als einzelnes Mitglied innerhalb dieser Gruppe, dieses Teams, unterwegs.

Regie Musik, Pirchner, Streichquartett für Bläserquartett


Autor Dann wollen wir mal schauen: Stefan beginnt, die Wand zu erklimmen. Wie eine Spinne krallt er sich mit Händen und Füßen fest. Es nieselt leicht, der Stein ist glitschig. Die jungen Frauen von Stefans Sicherungsgruppe sind sehr unterschiedlich an dem Geschehen beteiligt. Beide haben das Seil in Händen. Die vordere hält es fest und lächelt ermutigend, die hintere ist immerhin soweit bei der Sache, dass sie das Seil nicht fallen lässt. Das sieht insgesamt nicht gut aus.


Oton Okay – dann probieren wir’s mal. Auf geht’s! So wir nehmen aber die Hände dazu zum Klettern, nicht zum Seil halten – jawohl Stefan, geht alles - habt ihr alles im griff ja? - Mädchen: absichern – Charlie: Immer, dass mit beiden Händen schön gesichert wird – Ja Stefan, jawohl, er gibt alles! links oben ist eine Stufe, Stefan, genau da.
Autor Während ich so rumstehe und zuschaue, wie mein Wanderkumpel in sein Verderben klettert, habe ich Zeit, mit der Hübschen am Seil ein Gespräch einzuleiten. Sie hat die Strecke schon gemacht.
Oton Wie macht sich Stefan? - Bis jetzt ganz gut (Gelächter) – Ich bin links rum geklettert, an der Schräge – Charlie: Jawoll, ruf ihm mal zu, was er machen soll – Die Schöne: Stefan, du mußt nach links – Charlie: Jawoll, Stefan, jetzt gib noch mal alles, jawoll, steig rein, gut so, immer schön auf die Füße achten, jetzt drück dich durch mit dem rechten Fuss – auuuh...

Regie Oton als Atmo weiter laufen lassen.


Autor Stefan gleitet ab und fällt ins Seil. Mehrmals pendelt er hin und her, bis er wieder Griff am Felsen gefunden hat. Die Vordere hat mit wachen Blicken das Geschehen in der Wand verfolgt, bereit, jeden Augenblick das Seil anziehen zu können. Ihr Lächeln ist für Momente verschwunden. Als Stefan ausgleitet, hat sie ihn im Griff. Die Kollegin hinter ihr findet Klettern insgesamt ziemlich öde. Stefan hat sie vorher noch nie gesehen und eigentlich will sie auch nur weg. Sie hat sich auch schon zur Straße gedreht, zeigt dem Geschehen in der Bergwand die linke, kalte Schulter und plaudert mit einem nicht unattraktiven Kollegen aus der Azubi-Gruppe. Dass Stefan ausgleitet, fällt, gehalten wird und wieder weiterklettert, ist ihr völlig entgangen. Er hätte direkt vor ihren Füßen einschlagen können, sie hätte es nicht bemerkt. Da ist noch viel Sozialarbeit zu leisten, um sie teamfähig zu machen.
Oton Nur noch einen Meter, dann hast es geschafft oben, dann bist am Ziel angelangt, dann bin ich zufrieden mit dir, und wenn deine zwei Damen zufrieden sind, dann sind wir ganz gut - So, angekommen Stefan, bravo, schon eine gute Höhe, oder, wie ist da oben die Luft, hervorragend(lacht) – so, tun wir die Füße spreizen, zurücklegen, du mußt ein bißchen Vertrauen (haben) in dein seil und die zwei Damen, wo dich sichern, jawoll... Arschl raus, jetzt geht los, zurücklegen, legt dich rein, wir haben dich schon, Knie gestreckt, Stefan, wir haben dich , ja aber, ist eine Überwindung, so jetzt laßt ihn langsam runter gell, ihr zwei, jawoll, die ganze Sohle am Felsen
Regie Oton weiter laufen lassen
Autor Stefan schwebt am Seil herab, die Hübsche lächelt wieder. Zurück auf dem Boden, kämpft er mit seinem Muskelkater und seinen Adrenalin-Wellen.
Oton Charlie: Jawoll, der Stefan kommt flott runter, als ob er schon Profi sei, gut Stefan, prima – Stefan: jetzt bin ich aber geschafft, hätt ich nie gedacht, dass das so anstrengend ist, gerade am Anfang war ich ja in der Sackgasse drin, wo ich nicht weiterkam - Aber bist gut gegangen, danke an die Damen – ohne seil wäre ich ein stück kleiner gewesen – aber man sieht es schon , wie man auf die Füße achten muß, auf die Füße schauen, den Fingern geht mal die Kraft aus, die Füße haben mehr Kraft, darum immer runterschauen und nicht so drauflegen auf den Felsen - Den Griff hab ich schon gesucht, aber ich war in dieser Sackgasse, wo ich mit einem Bein nicht auf den Felsvorsprung kam - Das hast du souverän gemacht – Aber denn nachher ging’s. Beim Abseilen war auch der erste Moment war ungewohnt – Die Überwindung, das Vertrauen zum Zurücklegen, dass hab ich damit gemeint gehabt, mit dem Teamwork, dass unten die zwei, das muß schon sichern, dass man sich vertrauen kann - Nach dem ersten Mal vertrauen war schon gut - Wenn man drin hängt, dann ist es ganz anders – Dann macht es schon Spass, sich da abzuseilen.

Regie Santa Clause is coming Town, Jane Monheit

Autor Zu den Attraktionen des Kleinwalsertals gehört in Mittelberg die alljährliche Weihnachtskrippe – hoher Schnee, schneidende Kälte und lebensgroße Figuren im Zentrum des Ortes.
Oton Betreten der Scheune – das Jesukind hat aber ein staubiges Gesicht (lacht) - Das ist nach wie vor wunderschön, das Poppele, das Jesukindle...

Autor In einem zugigen Schuppen begutachten Annemarie Hilbrand und Christine Kaltenbacher den Zustand der Krippenfiguren. Zunächst einmal sieht man nur jede Menge Heu in eigenartigen Formen.

Oton Das ist der Rock, auf dem du steht – Atmo mit Heugeraschel
Autor Nämlich der Rock der heiligen Maria. Annemarie Hilbrand und Christine Kaltenbacher, beide mit praktischen kurzen Haaren, weiß die ältere, dunkelbraun die jüngere, gehören zu einer Gruppe von Frauen, die alljährlich die Weihnachtskrippe vorbereitet.
Oton Die gibt es seit 1998. In dem Sommer haben wir die Figuren in einem Stall gefertigt, die lebensgroßen Heufiguren – wir, das hat sich dann zusammengesetzt aus einer Gruppe von sechs Frauen, die miteinander überlegt haben, die einfach gesagt haben, wie macht man das überhaupt, lebensgroße Heufiguren?
Autor An dieser Stelle betrat ein befreundeter Bauer die Szene, der wusste, wie Tiere eigentlich genau aussehen und auch, wie man sie nachbaut. Im ersten Schritt wurde ein Holzuntergestell gebastelt und dann waren Unmengen von Heu nötig.

Oton Ja , das ist ein Holzuntergestell, eigentlich ziemlich einfach, beim Ochs waren das die Füße und dann einfach mit Latten die Körperformen - Wie ein Knochengerüst - das Knochengerüst, mit Holz sieht das aus wie ein Knochengerüst und das Ganze wird dann – haben wir uns ausgedacht – mit Hasendraht, die Größe vom Leib zu machen - Dass man es festigen konnte, dass es fest geworden ist, weil es sind wahnsinnige Massen an Heu - Und dann haben wir den Ochs angedrahtet und diesen Maschendraht mit Heu ganz fest vollgestopft, zuerst, und dann anschließend - Haben wir angefangen die Proportionen zum ausarbeiten, wir sind dagestanden und haben überlegt, wie ein Ochs eigentlich ausschaut, was hat der für einen Hals, was hat der für Vorderfüss, wo ist die Muskulatur überhaupt bei einem Ochs, dass das nicht so Steckenfüss gibt, sondern dass das wirklich ein Charakterochsen gibt, wir wollten ja nicht das Öchsle haben , sondern ein gescheiten Ochs im Stall, ja da haben wir halt fest gearbeitet, jeder war am kritisieren, am schauen , ja und daraus ist das Resultat entstanden dann .


Autor Drei Wochen brauchte allein der Ochse, bis er Charakter zeigte. Annemarie Hilbrand hatte Zeit, sie ist als Kauffrau im Ruhestand. Christine Kaltenbacher ist Hausfrau und betreibt eine Pension. Einen ganzen kalten Sommer lang traf sich die Frauengruppe in einem Stall und stopfte Menschen und Tiere in Lebensgröße aus.
Oton Aber es hat auch viel Freude gemacht, weil es war immer eine da, die hat Tee mit Rum gebracht hat oder Schmalzgebäck, es war eigentlich immer ganz schön, weil die Gruppe hat sich einfach schön zusammengefunden.
Autor Männlicherseits hätte man schon gern gewusst, worüber ein halbes Dutzend Frauen redet, bei Tee und Rum:
Oton Gelächter, Das verzähle ma net, da sagen wir nicht ganz so viel, das Thema war schon vorwiegend - Proportionen (Gelächter) - vom Tier und vom Mann natürlich. Auch Maria, die Oberweite, haben wir gesagt, die darf jetzt nicht zu üppig sein, aber sie soll eine Schwangere darstellen, ja, das waren schon so die Themen, aber wie gesagt, die Männer waren da schon mit einbezogen, die mussten schon für manchen Gesprächsstoff herhalten (Gelächter)
Regie Musik, Pirchner, Soirée Tyrolienne
Autor Jeder große Künstler, das lehrt uns die Kunstgeschichte, hat ein Vorbild für seine Arbeit. Und da nicht nur Ochs und Esel, sondern auch die Figuren sehr individuell und charaktervoll ausgeführt sind, würde mich interessieren, woher die Vorlagen stammen: Aus Kunstwerken der Vergangenheit, aus Vorlagenbüchern, frommen Bilderheften zur Weihnachtszeit? Nein.

Oton Also wenn die Annemarie neben mir steht, dann ist der Vergleich gar nicht davon zu weisen - Also dass denk ich jetzt nicht, ich denk schon , ich bin ein bissle schöner (lacht) - Auf jeden Fall, aber als Maria, denk ich, hätte man kein besseres Model haben können (lacht) - Außerdem war ich damals noch ein ganzes Stück jünger, das macht auch noch was aus von der Gesichtsform, aber die Falten sieht man ja nicht - Die haben wir retuschiert - Das Jesukind ist eigentlich das Prachtstück in der Ausstellung, allein die Beinstellung wie so ein Baby, wenn es geboren, ist hat einfach die nach innen gebogenen füßle und insgesamt ist es wirklich ein richtig hübsches, schönes Jesukind - Ich hatt auch ein gute Modell, meine Tochter Sarah war gerade ein halbes Jahr alt und da hat man das in der Hand, denk ich. (lacht)

Autor Alle Jahre wieder werden die Figuren aufgebürstet, nachgestopft und neu angezogen. Dann werden sie am 1. Adventssonntag zum Musikpavillon gebracht, der praktischerweise die Form eines offenen Stalls hat. Jetzt eben, einige Wochen vor Weihnachten, kann man sich die Prozession nicht so richtig vorstellen, es regnet. Also lassen wir uns erzählen, was wir nicht sehen können.
Oton Und vor allem es gibt durch die Beleuchtung an so einem richtigen kalten Wintertag durch die Beleuchtung, das warme Heu, das gibt so eine warme, schöne Stallatmosphäre, wo jeder gern stehen bleibt und kurz verweilt und der Geschichte noch mal nachdenkt.
Autor Mit dem Aufstellen allein ist es aber noch nicht getan. Dem Verlauf der biblischen Handlung folgend wird die Szene umarrangiert und neu dekoriert.
Oton Also der Anfang, diese Herbergssuche, da sind kaum Gäste da, da war das so das Ansinnen, wir wollen für den Einheimischen einen schönen adventlichen Mittelpunkt im Dorf haben, und das geht dann bis zum 23. Dann wird die Krippe umgestellt, also zuerst sitzt die Maria auf dem Esel und Josef führt den Esel, das ist das erste Bild. Das machen wir ganz traditionell immer am 24. am Anfang, wenn die Krippe umgestellt wird von der Herbergssuche, liegt das Kind in der Krippe, und am 24. nach der Kindermette, dann gehen wir mit ein paar Kindern, was vor der Krippe verweilen gehen hin, und dann kommt immer der schöne Spruch : Es ist ...jetzt häng ich ... es ist eine große Freud, der Heiland ist geboren heut. Und mit dem Satz legen wir das Kind der Maria in den Arm, also symbolisch, jetzt ist das Kind geboren.
Autor Der Erfolg unter den Touristen, die wieder zahlreich kommen, um Weihnachten im Schnee zu verbringen, hat ein Ehepaar aus dem Ruhrgebiet animiert, eine solche Tradition bei sich zu Hause einzuführen. Die Krippe aus Holz und Heu ist ein Exportartikel geworden. Aber dann war da noch eines – die Kinder sind nicht nur Model, sie arbeiten auch mit an der Krippe. Im Walserdialekt beschreibt Christine Kaltenbacher, wie sie die kleinen Tiere - Hasen, Eichhörnchen usw. – gestalten.
Oton Die Kinder bauen Kleintiere für die Krippe im Walserdialekt. Ca. 25’
Regie Musik, Kätherler-Polka

Trenn-Jingle


Oton Ihr seid’s in einem wunderschöne Tal, das nennt man Bärgunttal, das ist die größte und älteste Alp im Kleinwalsertal, wir haben 260 ha Weideland, Gesamtfläche 680, wir beherbergen im Sommer ca. 200-220 stück Jungtiere, davon sind Pferde und Milchkühe dabei und leben nach alten Traditionen.
Autor Sabine Ott ist eine kraftvolle Frau, der man ansieht, dass körperliche Arbeit, selbst viel davon, kein Problem für sie ist. Die Arme über der Brust verschränkt sitzt sie im Esszimmer ihrer Almhütte. Nebenan im Gastraum lärmen die Gäste. Zur Bärgunthütte auf 1407 Metern ist es aus dem Tal nicht weit, entsprechend sind die Touristen noch bei Kräften und laut.
Oton Wir sind Halbnomaden, wir ziehen im Frühjahr von zuhause aus mit unserer ganzen Familie, ziehen oben auf den Alpen wieder ein und bleiben dort bis ende September, bis der Alp-Sommer vorbei ist und kehren dann mit unseren Familien zurück in die Täler.
Autor In der Saison ist sie sieben Tage in der Woche im Einsatz – Tiere und Gäste halten sie auf Trab. Gastronomie hat sie gelernt. Für diese Arbeit auf der Hütte ist sie aus den USA zurückgekehrt. Sie ist angestellt bei der Alpgenossenschaft, die die Bewirtschaftung der Alpen organisiert. Welche Angestellte würde sieben Tage die Woche arbeiten?
Oton Wir haben das von unserer Familie geerbt, unsere Vorväter haben das schon gemacht, wir, die zwei Jüngsten aus einer neunköpfigen Familie, wir machen das wieder, mein Bruder und ich, das ist eine Gabe, ein Geschenk Gottes, das wir haben und das ist eine Liebe zu den Bergen und unserer Arbeit und wir lieben diese Ruhe. Ich persönlich mach die Almwirtschaft, d.h. die Hütte, käsen und Milchverarbeitung, mein Bruder hingegen macht nur das Jungvieh, weil er lieber die Tiere vor den Menschen vorzieht – das sind auch solche Menschen, die diese Arbeit verrichten, d.h. sie genießen die Ruhe und die Liebe in den Bergen, dem Wild zuzusehen zu können, der Natur zuzusehen zu können, das ist etwas Besonderes, das kann man nicht erklären, das ist etwas was man hat. Man kann es nicht lernen.
Autor Während wir unsere Erbsensuppe löffeln, die von einem türkischen Saisonmitarbeiter zubereitet wird, geht mir durch den Kopf, dass für viele gestresste Städter so ein Leben auf der Alp doch die Verwirklichung eines romantischen Traums sein müsste. Dann erzählt Sabine Ott vom Alltag auf der Hütte, und die Romantik ist verflogen.
Oton Im normalen Hochsommer ist es so, dass wir sechs Milchkühe haben, wir fangen am morgen um halb sechs an, wir heizen die Hütte ein, damit, wenn die andern aufstehen, schon der Kaffee und das Frühstück steht, der andere geht in den Stall zum Melken, holt die Kühe heim, bzw. die kommen sehr gerne heim, dann tun wir die Kühe melken, tun die Milch versorgen, mit Kühlen, kommen rein , tun das Frühstück machen miteinander, der Tag wird besprochen, wird geschaut, wie es jedem so geht, man blödelt ein bisschen rum, und dann ab in die Bergschuhe und dann hoch zum Vieh, die ja zum Teil um diese Jahreszeiten auf 1700 Metern noch stehen, d.h. die Hirten sowie die Kleinhirten laufen ungefähr eine halbe/dreiviertel Stunde zu der Herde und bleiben dann dort bis mittags, und kommen dann zur Mittagspause heim und gehen nachmittags wieder hoch und kommen abends um neun Uhr wieder nach Hause.
Autor Allein der Weg zur Arbeit ist das, was der Durchschnittstourist für das Höchstmaß an täglicher Bewegung hält. Und dann fängt die Arbeit erst an.
Oton Durch die großen Ställe in unserm benachbarten Allgäu, wo die Tiere zum Teil herkommen, sind zum Teil auch blinde Tiere oder halbblinde Tiere dabei und aufgrund dessen ist die Arbeit natürlich auch sehr interessant, bzw. für die Tiere sehr wichtig, dass wir da sind, die Tiere hängen von uns ab, von unserer Obhut, aber wir auch von den Tieren, weil es doch immer ein Geben und Nehmen, ein schönes Miteinander ist. Alpleben ist etwas Schönes.
Autor Was nun auch die Glocken am Hals der Tiere erklärt – so orientieren sich die Kühe in der Herde. Menschen gehen als Touristen auf die Alpen, um sich zu erholen. Dem Vieh geht es genauso und das bietet einigen Anreiz, Touristen und Kühe auf der Alp mit einander zu vergleichen.

Oton Die kommen auf die Alpen erstens mal, sich besser bewegen zu lernen, ein besserer Futterverwerter zu werden und werden muskulöser und kommen mit einem besseren Immunsystem nach Hause, .d.h. Kühe, Rinder, die auf den Alpen, mindestens zwei Jahre, die haben auch längere Lebensdauer von mindestens drei Jahren durch die gute Muskulatur, durch die Ernährung, durch die Bewegung.


Autor Stefan nickt, genau aus dem Grund sind wir auch hier. Muskulatur, Ernährung, Bewegung, Weizenbier. Sabine Ott bewirtschaftet ihre Hütte, die erst seit vier Jahren ans Stromnetz angeschlossen ist, mit einem Offroad-Wagen und einem Quad, einem vierrädigen Motorrad. Dies allerdings nur auf den Strecken zwischen Tal und Hüttenwirtschaft. Alles, was höher auf die Alp muss, wird auf dem Rücken transportiert. Zum Beispiel die Pfähle für die notwendigen Zäune. Und wenn sie dann erleben muss, dass Touristen ihre mühsam hochgeschleppten Pfähle benutzen, um ein wahnsinnig romantisches Lagerfeuer in der freien Natur zu veranstalten – die Geste mit der Hand deutet an, dass Sabine Ott in solchen Momenten einen dicken Hals bekommt. Obwohl die resolute Frau ansonsten einen sehr gelassenen Eindruck macht. Es hat halt alles seine Grenzen.
Regie Musik, Peer Gynt
Autor Die Widdersteinhütte am südlichen Ende des Kleinwalsertals ist ein Traum, weil Stefan und ich das Glück haben, die einzigen Gäste zu sein. Wir sind am Großen Widderstein vorbei und sitzen nun auf 2000 Meter Höhe und strecken die Beine aus. Der Gastraum ist mit dunklem, gemütlichem Holz ausgekleidet, im eisernen Ofen knacken die Holzscheite, die Wäsche, die nicht mehr auf den Wäscheständer passte, ist über Tische und Bänke ausgebreitet. Ein Duft von Hygiene liegt in der Luft. In der Küche wird der brüllende Fernseher leiser gestellt, die Bedienung erscheint. Die Kellnerin mit den lustigen Zöpfen ist jung, quirlig, stammt aus Tirol und wird von einem Golden Retriever begleitet, der nicht von ihrer Seite weicht. Wir wollen wissen, wie das Wetter wird. Das zu fragen gehört zum Ritual einer Wanderung: Wie wird das Wetter? Die junge Frau hält einem Moment inne beim Wäschefalten, sieht uns an und geht zum Fenster. Sieht hinaus und sagt mit ahnungsvoller Stimme: Oh, der Kälbele-See hat Flecken. Das gibt Schnee! Wir versuchen, ohne unhöflich zu erscheinen, den Eindruck zu erwecken, dass wir ihrer Prognose vom fleckigen See nicht trauen. Doch, sagt sie, das ist so. Dann muß sie grinsen und erklärt: Der Wetterbericht hat Schnee angesagt. Die Touristen trauen aber dem Wetterbericht aus dem Fernsehen nicht. Stattdessen wollen sie die Original-Kleinwalsertal-Eingeborenen-Prognose, weil das irgendwie authentischer ist. Also spielt sie die Posse mit dem See, der Flecken trägt, die Schnee verkünden. Die Touristen sind glücklich, und stimmen tut die Vorhersage ja auch, sie hat schließlich den Wetterbericht im Fernsehen gesehen. Am nächsten Morgen wölbt sich ein blauer Himmel über die Gipfel, die Sonne scheint – und es liegt Schnee.
Regie Musik, Pirchner, Soirée Tyrolienne
Autor Flöske – eigentlich heißt er Mathias Fritz, aber jeder nennt ihn Flöske. Wir treffen ihn durch Zufall auf seiner Hütte. Die Verabredung hat nicht geklappt, aber wie der Berg es so will, sind wir zur selben Zeit am selben Ort, in Flöskes Hütte.
Oton Ich red jetzt so halb walserisch und halb deutsch, son Mischmasch , wenn das ein Walser hört, der tät eine Krise kriegen, der tät sagen ojeoje, wie walsert denn der?
Autor Flöske ist dunkelblond, trägt einen Dreitagebart, T-Shirt und ärmellose Fleece-Weste. Ich dagegen ziehe es vor, meinen Pullover und meine gefütterte Regenjacke anzubehalten. Wir haben wohl unterschiedliche Vorstellungen von dem, was „warm“ ist.
Oton Ich hab im Winter einen Skiverleih im Tal in Riezlern unten und im Sommer macht ich halt die Hütte und geh auf die Jagd.
Autor Da ist er wieder, der Duft von Freiheit und Abenteuer. Mit Flöske läuft Rondo, ein Hund, mittelgroß, braun, neugierig, ein Bayerischer Gebirgsschweißhund, der später dafür zuständig sein wird, die Blutspuren eines angeschossenen Wildes zu verfolgen. Die Kunst ist natürlich, das Tier mit einem sauberen Schuss gleich so zu treffen, dass es an Ort und Stelle verendet, aber das gelingt nicht immer. Dann tritt Rondo in Aktion - wie gesagt, wenn er gelernt hat. Im Moment ist er noch damit beschäftigt, die drei Männer zu beobachten, die am Tisch sitzen und reden und ihm zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Im Raum nebenan ist auch wenig los, einzig das Feuer im Kanonenofen faucht.
Regie Atmo Ofen
Oton Bei uns hat jeder Gams, den ich bejagen will und den ich bejag, dem geb ich hier oben einen Namen, der letzte Gams, der auch ein sehr kapitaler Gams war, der hat Theodor geheißen. Theodor aus dem Grund, weil, wie soll ich sagen, weil er einen Beutel gehabt hat fast bis zum boden (lacht) und ich sag, ich nenn den jetzt „Theodor, Sack so groß wie ein Scheuentor“ (lacht), ja, das ist mir so eingefallen. Den bejagen wir jetzt noch nicht, der dürfte jetzt acht Jahr alt sein, der könnte bejagt werden, aber den lassen wir noch älter werden, der steh mitten im Revier, steht sehr gut im Wildbret, also ist sehr fett und kommt sicher durch den Winter, vererbt auch wieder gut.
Autor Rondo, der Schweißhund, verbeißt sich in sein Ruhe-Kissen, schüttelt es wütend hin und her, kämpft es gegen heftigen Widerstand zu Boden und wirft sich als Sieger auf sein Opfer. Schaut uns an, sucht Beifall. Keine Resonanz. Er rollt sich auf dem Kissen zusammen und atmet tief aus. Tapferer, glücklicher Hund. Ungefähr 60 Gemse hat Flöske in seinem Revier unterhalb des Widdersteins, dazu Steinböcke und Hirsche.
Oton Das ist toll, allein wenn man im Revier ist, man kann von den ganzen Alltagssorgen Abstand gewinnen, oder? Schaut dem Wild zu, ich bin sag wir mal im Sommer 150 Tage im Revier und schau dem Gams, dem Steinwild, dem Hirsch zu, und von den 150 mal schieß ich vielleicht zwei Mal. Das zum Thema, weil viele sagen, o Jäger sind alle Mörder, wir suchen uns schon die Stücke aus, die wir dann bejagen, die sind entweder krank oder sehr alt, dass man weiß, den Winter könnten sie nicht mehr überleben. So jagen wir hier.
Autor Rondo wird es langweilig. Er inspiziert den Raum, da ist nicht viel Neues. Dann schnuppert er an Stefans Hose und Stiefel und denkt sich Geschichten aus zu den Düften, die er an ihnen gefunden hat. Die Geschichten sind wohl nicht sehr lang. Der Hund springt auf die Bank, begutachtet gelangweilt den Kram, der auf dem Tisch liegt.
Oton Bei mir geht keiner ins Revier allein mit der eigenen Waffe, er kann seine Waffe mitnehmen, aber nur mit mir, weil ich sage ihm was er schießen soll, weil sonst kommt der garantiert mit dem falschen Stück, das kann nicht sein, egal auf welches Stück, ob Hirsch oder Steinbock oder Gams ist, immer mit uns mit dem Führer dabei.
Autor Unser vierbeiniger Freund hat den Tisch inspiziert und nichts Ungewöhnliches gefunden. Gläser, Flaschen, eine Videokamera, das übliche eben. Rondo spaziert auf der Bank zu mir, prüft die Gerüche, die er in meiner Kleidung findet. Er hat viele Anregungen gesammelt und muß nachdenken. Der künftige Jäger angeschossener Gemsen macht „Sitz“ auf der Bank, lehnt sich an meinen Rücken und blickt gedankenverloren ins Leere.
Oton Ich hab auch schon mal einen Jagdgast gehabt, der ist gekommen, Riesengeld oder? Und da sagt der: Gams, da sag ich : Ja, dann schiessen wir einen. Und der Vater sagt, du weist ja, ich sag, ich weiss welchen Bock und dann gehen wir vor das Gamsrudel, weil nur dann ist der alte Bock beim Rudel, sonst ist er ein Einzelgänger oder? Da kam auch ein Bock, sagt er, da schieß ich, ich sag neinnein, das ist der falsche. Ist doch egal, Junge! – ja ist egal Junge! Ich hab ja Geld, den bezahl ich auch. Ich sag, nein, wir warten auf den Bock, der frei ist, der das alter, der ist nämlich zu jung, der Bock - dann ist der alte nicht gekommen, das kommt halt auch vor, das ist halt Jagd. Jetzt wollte er partout den schießen, dann hat er gesagt, er beschwert sich bei meinem Vater, ich bezahl ja auch! - Ich sag, das ist mir egal, dann ist er halt zum Vater hin: Dein Sohn hat mich den Bock nicht schießen lassen, dann ist der zu mir, sagt: Was für ein Bock? Ich sag, der junge, den kann ich nicht schießen lassen. Dann hat der gesagt: Mit dem (Flöske) geh ich nicht mehr, ich geh nur noch mit dir. Da hat der Vater gesagt, Du gehst gar nicht mehr, entweder du glaubt uns oder du gehst überhaupt nicht mehr auf die Jagd bei uns – fertig. Dein ganzes Geld spielt uns keine Rolle, du schießt das, was wir sagen und nicht das, was du willst.
Autor Der Mann kam nie wieder.
Regie Atmo vom Wandern durch Schnee, eine Weile frei , dann darüber :
Autor Wandern im Gebirge ist wunderbar, ist eine liebenswerte, glücklichmachende Tätigkeit, eine buddhistische Meditation in gleichmäßiger Bewegung. Auf dem Weg eine grenzenlose Stille, der Schnee knirscht unter den Stiefeln. Ab und zu ein eisiger Windstoß beim Passieren eines Grats. In Sekundenschnelle ist man durchgefroren bis auf die Knochen. Dann, ein paar Schritte weiter, im Windschatten, kehrt mit der Sonne und der gleichmäßigen Bewegung des Körpers die Wärme zurück. Glasklare Sicht, schneebedeckte Gipfel vor uns und auf der anderen Seite des Tals, blauer Himmel, gleißende Sonne, über uns ein Adler – Kitsch, man muss es zugeben, ist ein Bestandteil der wirklichen Welt. Man könnte stundenlang so weiterwandern, gleichmäßig, gelassen, geruhsam. Die gelegentlichen Wanderer, die uns entgegenkommen, grüßen schweigend oder wir wechseln ein paar Worte, dann wieder die Geräusche des Gehens.
Regie Musik, Kate Bush, King of the Mountain
Autor Die Mindelheimer und die Fiderepass-Hütte liegen oben auf den Bergen zwischen dem österreichischen Kleinwalsertal und dem deutschen Stillachtal bei Oberstdorf. Sie sind zumeist nur über Fußwege zu erreichen und bekommen ihren Nachschub per Seilbahn. Die Hütte ist das tägliche Ziel der Wanderung und ein einzigartiges Erlebnis. Vor allem, weil viele Bergenthusiasten von der sogenannten Hütten-Romantik schwärmen. Bei diesem Wort ist Vorsicht geboten. Was ist schon romantisch? Ein Abend zu zweit, ein Feuer im offenen Kamin, Stille, leise Musik im Hintergrund eventuell. Ist das Ihre Vorstellung von Romantik? Dann bleiben Sie, wo sie sind. Eine Hütte besteht aus einem großen Gemeinschaftsraum, der meist durch einen eisernen Ofen beheizt wird. In der Nähe des Ofens gibt es ein Gestell, auf dem nasse Kleidung getrocknet wird. Das macht die Hüttenluft feucht-warm und schwer zu atmen, vor allem, wenn an dem Gestell Bergstiefel und Socken getrocknet werden. Außer dem Gemeinschaftsraum gibt es auf einer Hütte noch einen oder mehrere Übernachtungsräume, die ebenfalls gemeinschaftlich genutzt werden. Es gibt nach Geschlechtern getrennt Waschräume mit langen Rinnen und kaltem Wasser aus Hähnen. Die Toiletten sind vor allem eins: zu wenig.
Regie Atmo Hütte 1
Autor Am Abend ist die Hütte knüppeldickevoll. Die Essensbestellungen werden eingesammelt und mit einer vagen Uhrzeit versehen. Überraschend präzise stehen dann die Teller auf dem Tisch. Es schmeckt vorzüglich, saftiges Fleisch mit einer satten Soße und Knödeln – was man sich eben verdient hat nach einer langen Wanderung. Dicht an dicht sitzen wir zusammen, die Ellbogen haben kaum Bewegungsfreiheit. So lernen wir notgedrungen Leute kennen und kommen ins Gespräch. Was, wenn kleine Gruppen aufeinander treffen, ja auch als unterhaltsam und als den Horizont erweiternd angesehen wird. Allerdings – hier sind sensible Umgangsformen unverzichtbar, treffen doch sehr unterschiedliche Ausprägungen des deutschen Nationalcharakters aufeinander. Begegnet man einem Rheinländer, der einen mit distanzloser Fröhlichkeit endlos zutextet über dieses und jenes und dann war da noch was, Moment mal.... – dann kann das einen Westfalen ganz schäbig an die Ränder seiner Sozialkompetenz treiben. Das war gestern –
Regie Atmo Hütte 2

Autor - heute abend ist die Breitseite der Gaststube mit einer Gruppe Schwaben aus Aalen in Baden-Württemberg besetzt, zwischen fünfzehn und zwanzig Personen, die beständig hin und her wuseln. Die Zote ist das gängige Unterhaltungsmittel der Gruppe. Die Männer und Frauen aus Aalen in Baden-Württemberg kreischen vor Vergnügen, ihre Lautstärke bringt die Gespräche der Übrigen zum Erlahmen. Vermutlich halten sie es für ansteckende Fröhlichkeit, aber außerhalb ihrer dumpfen Schädel ist es nur Krach. Und dann bestellen sie Schnaps .... Diese Schwaben-Gruppe erinnert die zivilisierteren Teile Deutschlands daran, dass die Zeit der Wandaleneinfälle erst relativ wenige Generationen zurück liegt. Aber sind sie auch schon ausgestanden? Da denkt man – wenn um 22.00 Uhr der Hüttenwirt die Netten und die Schrecklichen ins Bett schickt - mit großem Enthusiasmus zurück an Sabine Ott aus dem Bärgunttal:

Oton Alpleben ist etwas Schönes. d.h. sie genießen die Ruhe und die Liebe in den Bergen, dem Wild zusehen zu können, der Natur zusehen zu können, das ist etwas Besonderes, das kann man nicht erklären, das ist etwas, was man hat. Man kann es nicht lernen.
Regie Schlußmusik

Spr. v. Dienst



Das Bergabenteuer und das Jesuskind

Von Oberstdorf ins Kleinwalsertal

Eine Deutschlandrundfahrt mit Paul Stänner





The database is protected by copyright ©essaydocs.org 2016
send message

    Main page